Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Don Balthasar Isaak Orobio de Castro
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 6)
- Language
- German
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326 Don Balthasar Isaak Orobio de Castro. frei heraussagen durften, so gab es bei jeder Gelegenheit Religionsgespräche, Confrontirung der christlichen Dogmen mit den jüdischen, Angriffe und Verteidigung, Alles in der grössten Harmlosigkeit. Auch Orobio wurde öfter um eingehende Unterhaltung über religiöse Fragen angegangen. Er hatte keine Lust zu Wortfechtereien, und ein ernstes Religionsgespräch führen mochte er aus Zartgefühl nicht. Er war ein ruhiger, besonnener Mann, ein Feind von Stürmerei und aufregender Polemik, aber er hielt auch mit seiner Ueberzeugung nicht zurück, wenn er zum sprechen gedrängt wurde. Durch die Kämpfe, die sein Leben durchgemacht hatte, war er zu einer gefestigten Ueberzeugung vom Judenthum gelangt. Orobio liebte das Judenthum nicht, wie die meisten gebildeten Morr an en, mit romantischer Sentimentalität, oder mit mystischer Schwärmerei, sondern mit nüchternem Sinne, weil er in der . Religion seiner Väter die Wahrheit erblickte, und weil sie von den Widersprüchen und Ungereimtheiten frei ist, welche den übrigen Religionsformen anhaften. Von den vielen Schriften, die er offensiv und defensiv verfasst hat, liegen uns nur zwei vor, beide unvollständig, nicht in dem Gusse, den er ihnen gegeben hat. Das gerächte Israel (Isradl vengd), die ein französischer Uebersetzer fast ein Jahrhundert nach Orobio’s Tod nur auszüglich mitgetheilt hat, und eine religionspolemische Correspondenz, die er mit dem holländischen Dissidenten-Prediger Philipp von Limbo rch geführt hat. Beide enthalten Gesichtspunkte und Gedanken über Judenthum und Differenzen zwischen dieser Religion und dem Christenthum, die man noch heute grösstentheils unterschreiben kann, was von den meisten Schriften jiidischer Polemik nicht ausgesagt werden kann. Orobio’s Polemik geht auf das Grosse und Ganze, sie ist gemessen, urban, aber um so einschneidender. Wenn er dem Christenihume unangenehme Wahrheiten gesagt hat, so geschah es nicht aus Schmähsucht und Kampfeslust, sondern weil er dazu gedrängt wurde. Er spricht sich selbst darüber aus: ״Ein vornehmer Herr hat mich gezwungen, katholisehen Theologen zu antworten, welche bei ihm waren