Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Don Balthasar Isaak Orobio de Castro
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2829132-2829346-2829356-2863081--10789-2863107- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Don Balthasar Isaak Orobio de Castro. 325 nach Amsterdam (am 1666), wo alle die gehetzten Opfer des Bluttribunals, die Mühe beladenen Seelen, Ruhe und Lebensbehaglichkeit fanden. Isaak Orobio (wie er sich als Jude nannte) scheint Vermögen nach Amsterdam gebracht zu haben, denn er nahm nicht lange nach seiner Ansiedelung eine Ehrenstelle in der stolzen portugiesischen Gemeinde ein; er wurde zum Mitglied des Maamad (des Vorstandes) erwählt (um 1668—1669). Seufzend legte er das Sündenbekenntniss ab, dass er so oft vor Baal das Knie habe beugen müssen2). Die jüdischen Literati, die Pfleger der Wissenschaft und Poesie, von denen das jüdische Amsterdam damals wimmelte, drängten sich an ihn, haschten nach seinem Lobe, widmeten ihm ihre Schriften und waren beglückt, wenn er ihnen eine Approbation bewilligte. Auch mit Spinoza war er befreundet und correspondirte mit ihm. Zur Zeit als Spinoza seinen gegen das Judenthum zunächst gerichteten unterwühlenden theologisch - politischen Tractat drucken liess (1670), scheint Orobio sich noch nicht in das Judenthum so vertieft zu haben, um ein eigenes Urtheil über dieses so gedankenreiche und zugleich so sophistische Werk zu haben und dessen Tragweite zu erkennen. Er legte es daher einem christlichen Freunde, dem Arzt Volthuysen, zur Beurtheilung vor und übermittelte, man weiss nicht recht zu welchem Zwecke, dessen Urtheil an Spinoza. Später vertiefte sich Orobio in Theologie und Philosophie, erkannte von selbst die Schädlichkeit, des spinozistischen Systems und versuchte es zu widerlegen. Mit Christen der höheren Gesellschaftkreise verkehrte Orobio viel, und da damals in Holland Gedankenfreiheit so ziemlich herrschte, die verschiedensten Religionsmeinungen sich tummelten, der Deist, oder auch Atheist mit dem stumpfgläubigen Mönch, der Judenfeind Eisenmenger mit dem polnischen Rabbiner David aus Lida in Berührung kamen und ihre innerste Ueberzeugung einander 2) Bei Limborcli p. 175: Et quomodo ego hac persuaderi possem, qui totles miser genua Baali flexi? Peccatani mernn ego recordor.