Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 9 · p. Seite 324

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 9
Article
Don Balthasar Isaak Orobio de Castro
Date
1867-01-01
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829346-2829356-2863081--10788-2863106
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

324 Don Balthasar Isaak Orobio de Castro. Spielerei aufrechtzuerhalten; er verlor sieh in Stumpfsinn. Selbst sein Gedächtniss verliess ihn, und er fragte sich öfter: ob er denn derselbe Orobio sei, der so glücklieh und stolz durch die Strassen Sevilla’s gewandelt war, der eine geliebte Gattin und zärtliche Kinder hatte? Er glaubte in der Dunkelheit der Kerkermauern geboren zu sein und auch dort enden zu müssen. Aus dieser Stumpfheit des Geistes weckte ihn das Tribunal, als es ihn zum Verhör in einen düstern, nur schwach beleuchteten Saal führen liess, um ein ernstes Verhör mit ihm anzustellen. Instinktmässig verharrte Orobio im Ableugnen aller der Anschuldigungen, über die er befragt worden war. Da wurde die schreckliche Tortur angewendet, um ihn zum Geständnisse zu bringen. Die Henkerknechte zogen ihn an straffen Seilen in die Höhe, dass ihm das Blut ausströmte, und wenn seine Füsse einen Stützpunkt suchten, trafen sie auf Eisenspitzen. So verrenkt wurde sein ganzer Körper durch diese Beweise der Liebe, dass er 70 Tage brauchte, bis er so zu sagen wieder eingerenkt wurde. Er wurde zwar als des Judaismus nicht überführt — wahrscheinlich durch einflussreiche Verwendung — aus dem Kerker entlassen, aber als Verdächtigter musste er das San-Benito, ein Büsserhemd aus gelbbemalter Leiuewand, zwei Jahre tragen. Dann wurde er aus Spanien verwiesen, eine Strafe, um die ihn ohne Zweifel viele Stammgenossen beneidet haben. Seine Verdienste als theoretischer und praktischer Mediciner fanden in Süd - Frankreich Anerkennung und Belohnung. An der Universität von Toulouse erhielt er von Ludwig XIV. eine Professur und den Titel Rath1), allerdings noch immer unter der Maske des Christenthums. Aber diese Maske, diese ewige Heuchelei, scheint ihm doch endlich lästig geworden zu sein; er warf sie von sich und begab sich nach dem nordischen Jerusalem, נ) So Unterzeichnete er sich später: professor publico del Rey de Francia, en la ciudad de Tolosa y su concejero ad honorem.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.