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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 9 · p. Seite 323

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 9
Article
Don Balthasar Isaak Orobio de Castro
Date
1867-01-01
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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Don Balthasar Isaak Orobio de Castro. 323 und ihnen die Anhänglichkeit an die geächtete Religion ihrer Väter zu empfehlen. Ob Balthasar Orobio in der Jugend von seinen Eltern in das Geheimniss gezogen war, ist nicht bekannt. Sie Hessen ihn auf der Universität Alcala de Honores Philosophie sfcudiren, d. h. das, was man damals in Spanien mit diesem Woi'te bezeichnete, trockenes, scholastisches Stroh aus unverstandenen Formeln von Aristoteles, mit kirchlicher Spreu von Thomas von Aquino vermischt, dreschen. Er brachte es soweit darin, dass er selbst in Alcala auf der dortigen Universität Vorlesungen hielt. Ordentlicher Professor war er wohl nicht. Doch scheint ihn die Scholastik nicht befriedigt zu haben. Balthasar Orobio gab sie auf, um sich der Medicin zu widmen. Darin erlangte er eine solche Meisterschaft, dass er in Sevilla ein gesuchter Arzt war und Leibmedicus des herzoglichen Hauses de Medina Coli und auch bei einer dem König Philipp IV. nahe stehenden Familie wurde. Er heirathete, wurde glücklicher Familienvater und lebte seinem Berufe treu. Ob er heimlich dem Judenthum zugethan war? Man weiss es nicht. Aber einer seiner Diener, den er wegen Diebstahls bestraft hatte, gab ihn heimlich bei der Inquisition an, dass er judaisirt habe, und sofort wurde er in den Kerker geworfen. Drei volle Jahre Hess ihn das Bluttribunal darin schmachten. Denn Orobio leugnete consequent, jüdische Riten mitgemacht zu haben. Eingestehen bedeutete nicht blos, den Feuertod über sich selbst, sondern über seine Frau und Kinder, über seine Freunde und Bekannte heraufbeschwören. Denn die fluchwürdige, nach Menschenopfern lechzende Inquisition begnügte sich nicht mit einem einfachen Geständniss, sondern forschte nach Theilnehmern und Mitschuldigen und erpresste solche Angeher ei durch die Folter. Im dunkeln, engen Kerker brachte Orobio, wie er selbst erzählte, seine erste Zeit damit zu, scholastische Thesen zu lösen. Er theilte sich selbst die Rolle eines Defensor, eines Antagonisten und des Präsidirenden zu, der das pro und contra beleuchtet und das Schlussvotum fällt. Aber lange vermochte sein Geist nicht, sich an dieser 25*

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