Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Ethik des jüdisch-alexandrinischen Philosophen Philo
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 16)
- Language
- German
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290 Zur Ethik des jüdisch-alexandr. Philosophen Philo. deutenderem Masse die Symbolik geltend. Die Richtung, der die Phiionische Schule zugethan war, leitete zur Symbolik; rief doch der Platonismus das Symbolisiren hervor, das bei den Neuplatonikern so üppig wucherte. Auch leistete die grosse Unwissenheit, in der Philo und seine Anhänger sich über das Judenthum befanden, diesem Symbolisiren bedeutenden Vorschub. Anders Maimonides! Maimonides war einer der grössten Lehrer des Judenthums, und wie manche seiner Verehrer mit Ueber־ schwänglichkeit sagen, ״von Moses bis Moses stand keiner auf wie Moses", d. i. Moses Maimonides war der grösste Lehrer des Judenthums seit dem Propheten Moses. Er war also zu vertraut mit dem Geiste des Judenthums und dessen Lehren, als dass er zur Symbolik abgeirrt und biblische Personen und Gesetze in bildlichem Sinne aufgefasst hätte. Es hielt ferner auch die peripatetische, auf das Reale gerichtete Philosophie von derartigen Ab- Irrungen ab. Maimonides versuchte daher auf dem Wege der Allegorie, nichtauf dem der Symbolik, die Aristotelischen Resultate in der Schrift wiederzufinden: die Schrift spricht in der That zuweilen bildlich, so in manchen Aussagen über Eigenschaften und Handlungen Gottes, den sögenannten Anthropomorphien und sonst; und von hier aus bahnte sich Maimonides den Weg zur Hineitragung seines Systems, das sich ausschliesslich auf metaphysischem Gebiete, wie die Fragen über Gott, Weltschöpfung, Propheten u. 8. w., bewegt. Aber auch die Auffassungsweise Maimonides’ beweist sich als nicht zusagend. Die Schrift darf nicht durch von aussen Hineingetragenes, sondern sie muss aus sich selbst heraus erklärt werden, muss in dem in ihr sprechenden Geiste, in ihren ewigen Wahrheiten, in ihren Gesetzen der Liebe, Milde und Gerechtigkeit, in ihrer einfachen, Schmuck und Zuthat verschmähenden Darstellungsweise ihre Erklärung finden. In dem Hinein tragen von aussen liegt schon an sich Unwahrheit; es ist aber auch ein 801ches Unternehmen, so wohlmeinend auch die Absicht, ein unheiliges zu nennen, da es das Unvergängliche in den