Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 8 · p. Seite 295

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 8
Article
Zur Ethik des jüdisch-alexandrinischen Philosophen Philo
Date
1867-01-01
Page
Seite 295 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829346-2829355-2863017--10745-2863049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

alcxandrinischcn Philosophen Philo. 295 gelangen, vermeinte er, die Schrift sei allegorisch aufzufassen. Aber wie Philo und Maimonides ihrer ganzen Richtung nach auseinandergehen, so ist auch ihre allegorische Interpretationsweise verschieden. Philo ist nach seiner philosophischen — platonischen — Richtung Idealist, man nimmt in ihm mehr den Schwärin er als den Denker wahr; er demonstrirt nicht, lässt sich selten auf Beweisführung ein, und wenn er je Beweise vorbringt, sind sie schwach; Maimonides ist einer der tiefsten Denker, er demonstrirt mit der grössten Schärfe, seine Beweise sind eng aneinander geschlossen und er ist, wie alle seine Schriften zeigen, ein Systematiker bis zur äussersten Consequenz. Philo wird von keiner inneren Nothwendigkeit zu seiner Exegese getrieben, er liebt es, in der Schrift die philosophischen Ansichten, mit denen er vertraut war, wiederzufinden; daher lässt er neben seiner allegorischen Auffassung dem Wortsinn Gereehtigkeit widerfahren, und man sieht ihm zuweilen an, dass er sich nicht unbewusst war, er habe in die Schrift von aussen hineingetragen. Maimonides war mit dem aristotelischen System verwachsen, er konnte nicht anders als von diesem aus die Schrift betrachten; was in diesem System als Wahrheit demonstrirt war, war eine überzeugende Wahrheit und es gab ausser ihr keine andere, daher musste die Peripatie in der Schrift wiedergefunden werden, und während bei Philo das Hineintragen mehr eine Glorification, fühlte sich Maimonides durch eine innere Nothwendigkeit hierzu gedrängt. Und ebenso gehen auch Philo und Maimonides in der allegorischen Auffassung auseinander. Die Allegorie umfasst auch die Symbolik, doch sind Allegorie in der eigentliehen Bedeutung und Symbolik weit von einander verschieden. Die Allegorie nimmt in manchem Ausdrucke ein poetisches Bild wahr, das real auszudrücken, die Symbolik ein Sinnbild, welchem ein anderer Begriff unterzulegen ist: das Reale, positiv Gegebene ist daher nicht Object der Allegorie, wohl aber der Symbolik. In Philo macht sich nicht nur die Allegorie, sondern in noch be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.