Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 8 · p. Seite 288

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 8
Article
Zur Ethik des jüdisch-alexandrinischen Philosophen Philo
Date
1867-01-01
Page
Seite 288 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829346-2829355-2863017--10738-2863042
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

288 Zur Ethik des jüdischauch die Gesetze der Menschlichkeit gegen Thiere hervor. Das Neugeborene soll sieben Tage bei der Mutter verbleiben (Exod. 22, 29; Levit. 22, 27), während dieser Zeit soll man es weder zum Altäre bringen, noch zum eigenen Gebrauche verwenden0). Denn es ist grausam, der Mutter die neue Geburt zu entreissen, und sie leidet doppelt, da sie nun eine Menge Milch hat, die zur Nahrung der Jungen bestimmt ist. Lernet hieraus, treffliche Eltern! die ihr gegen eure Kinder wüthet, höret, o unversöhnliche Feinde der Menschheit! die ihr die kaum Geborenen meuchelmörderisch aussetzet und einem gewissen Tode hingebet. Wen werdet ihr schonen, da ihr eure Kinder mit euren eigenen Händen tödtet? Ihr machet, soviel an euch liegt, die Städte zu Einöden, ihr stürzet die Gesetze der Natur um, zerstöret, was sie aufgebauet, setzet mit wilder ungebändigter Grausamkeit der Erzeugung Vernichtung, dem Leben Tod entgegen: o lernet doch Kindesliebe von dem Thiere! — Dieses göttliche Gefühl wollte der weise Gesetzgeber (durch obiges Gesetz) geschützt wissen6 7). 6) Nach dem Wortlaute der Schrift beziehet das Verbot sich nur auf den Altar. Philo ist in solchen Anführungen nicht genau und lässt sich von seinem Eifer hinreissen. So sagt er an einer Stelle (de Praemiis sacerd. p.831): ״Es ist befohlen, den Priestern die Erstgeborenen der Ochsen, Schafe und Ziegen zu geben; für die Erstgeborenen anderer Thiere aber, wie der Pferde, Esel, Kameele und dergleichen, muss eine nicht unbeträchtliche Ablösung gegeben werden." Aber die Schrift spricht, Exod. 13, 13, nur von dem Erstgeborenen des Esels. Vgl. Frankel, Ueber den Einfluss der paläst. Exegese auf die alexandr. Hermeneutik S. 99. 7) Man erkennt leicht, dass diese Apostrophe gegen den Kindermord an heidnische Eltern gerichtet ist. Philo liebt es auch an anderen Stellen, sich an seine heidnischen Zeitgenossen zu wenden und ihrem lasterhaften Wandel die Gebote der Schrift gegenüberzustellen. Oie Liebe der Eltern zu den Kindern ist, wie die Schrift an vielen Stellen zeigt, schon seit der ältesten Zeit das Charakterzeichen des jüdischen Volkes, und es ist durchaus der Gedanke zurückzuweisen, dass jüd.־ alexandr. Eltern ihre Kinder ausgesetzt haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.