Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Ethik des jüdisch-alexandrinischen Philosophen Philo
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
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280 Zur Ethik des jüdischtrugen doch wenig zum Gedeihen bei, das Meiste und Vorzüglichste gab die Natur, der Regen, die Lufttemperatur, der Thau u. s. w. Und sie wagen es, sich allein die Wohlthaten der Natur anzueignen, wollen, als wären sie die Schöpfer, Anderen nicht mittheilen? Und welche Menschenliebe zeigt das Gesetz vom siebenten Jahre, wo das ganze Land unbebauet bleiben soll und dem Armen gestattet ist, die Früchte vom Felde zu holen? Und ebenso das Gesetz über das fünfzigste Jahr, wo zu der Vorschrift für das siebente Jahr noch hinzugefügt wird die Wiedereinsetzung in das frühere Besitzthum. Es wird ein ewiger Besitz des Gutes Anderer nicht gestattet. Hierdurch soll der Habsucht vorgebeugt sein, ferner soll der Landmann nicht seines Ackers für immer beraubt werden und gleichsam für seine Armuth büssen. Es gibt noch andere menschliche und milde Gesetze in Beziehung zu den Stammgenossen, deren wir auch anderswo erwähnten״, gehen wir nun zu den Gesetzen hinsichtlich des Fremden über. Den Fremden, der Verwandte, Vaterland und Götter aufgegeben und zu der Anbetung eines einzigen und wahren Gottes übergegangen, sollen wir lieben, nicht nur in der Weise wie wir Freunde und Verwandte, sondern wie wir uns selbst lieben (Levit. 19, 34). Wir sollen uns also mit ihm freuen und mit ihm trauern, und wie denn erst ihm in seiner Noth mit Speise, Trank und anderm dergleichen beistehen! Dieses befiehlt das Gesetz an vielen Stellen. In solcher Menschenliebe wird auch vorgeschrieben, dass wir uns der Gastfreundschaft erinnern, die wir irgendwo genossen, selbst wenn wir hierbei manches Unliebsame erfahren. ,,Du sollst den Egypter nicht verabscheuen, denn du warst ein Fremder in seinem Lande (Deuteron. 23, 8). Die Egypter haben jede Art des Unrechts gegen dieses Volk geübt und zu den begangenen Grausamkeiten stets neue hinzugefügt. Doch sie hatten unsere Vorfahren früher aufgenommen und ihnen nicht ihr Gebiet verschlossen; darum sollen sie ein Friedensbündniss finden und soll, wer sich von ihnen in den jüdischen Staat begibt, nicht