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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 8 · p. Seite 285

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 8
Article
Zur Ethik des jüdisch-alexandrinischen Philosophen Philo
Date
1867-01-01
Page
Seite 285 (sequence 5)
Language
German
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alexandrinischen Philosophen Philo. 285 nig arm ist. Er vergräbt seine Reichthümer in Kellern und irdischen Schlupfwinkeln; die Reichthümer der Tugend thronen in dem erhabensten Th eile der Seele. Wer durch Wucher sich bereichert, ist scheinbar reich, hat aber den eigentlichen Reichthum auch im Traume nicht gesehen, und wie verwerflich sind Jene, die, wenn es ihnen an Geld gebricht, Speisen auf Wucher verleihen (Deuter, das.), sich Gewinn bereiten wollen aus den notliwendigsten Bedürfnissen! Der Gesetzgeber verbannt daher aus seinem Staate diese Art Gewinn, der den Mensehen verwildert und erbarmungslos macht. Auch die Vorschrift, ״an demselben Tage den Lohn auszuzahlen“ (das. 24, 15), hat ihren Grund in Menschenliebe. Der Arbeiter oder Lastträger ist gleichsam ein tägliches Lastthier und sehnt sich (wie dieses nach dem Futter) nach seinem Lohn. Bekommt er diesen sogleich, so erholt er sich und erwirbt neue Kraft für den morgenden Tag; wird ihm der Lohn zurückgehalten, so kann er, erschöpft, nicht zu der Arbeit zurückkehren. Ebenso schreibt er auch vor, dass der Gläubiger nicht hineingehe in das Haus des Schuldners, um sich ein Pfand zu holen, sondern der Schuldner reiche es ihm hinaus (das. V. 10). Der Gläubiger soll nicht seine Macht missbrauchen, der Schuldner aber soll nicht anstehen, das Erborgte zu zahlen, und wenigstens ein Pfand dafür geben. Und was ist erst über die Gesetze für die Ernte und Weinlese zu sagen? Es ist verboten die abfallenden Aehren aufzulesen; es soll ferner das Ende des Ackers nicht von der Sichel berührt werden; ersteres gilt auch für den Weinberg und die 0eibäume (Levit. 19, 9. 10; Deuteron 24, 19 — 21). Es spricht der liebevolle Vater, dessen Söhne nicht gleich begütert sind, einige leben in Wohlstand, einige in tiefer Armuth; da sollen nun die armen zum Besitze der reichen Brüder herbeigerufen werden und auch sie sich dessen erfreuen. Da gibt es aber Manche, die Nachlese und Nachernte halten: es bekundet sich hierin nicht nur eine knechtische Engherzigkeit, sondern auch eine Gottvergessenheit. Sie selbst

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