Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension] / Frank
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 3)
- Language
- German
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Recensionen und Anzeigen. 273 des Wortes ureigenste Bedeutung und erklärten dasselbe in ihm eigentümlichen Geiste. Der erste und bedeutendste Exeget der nordfranzösisclien Schule, der die Bibel natürlich, nüchtern und ungesucht commentirte, war R. Salomon ben Isaak, gewöhnlich Raschi genannt, geboren zu Troyes (טרלייש) um das Jahr 1040. Raschi hat mit bewunderungswürdigem, richtigem Sprachgefühl und mit in den Geist der hebräischen Sprache sich vertiefendein, gesundem Sinn das Bibelwort erklärt, wie vor ihm Keiner. Natürlich war er zu viel Talmudist, als dass er die halachische und hagadische Deutung der Bibel ausser Acht gelassen hätte; midrasdusche Deutung und einfache Worterklärung gehen in seinem Bibelcommentar Hand in Hand. Doch vermied er die Interpretationsweise eines R. Moses Hadarshan, der, von seiner Frömmigkeit beeinflusst, die Bibel nur liagadisch commentirte; aber auch nicht minder die rein grammatikalische Erkl’arungsweise eines Menachem ben Chelbo. Er neigt sich überwiegend der ungesuchten einfachen Erklärung zu; ja er weicht bisweilen von der allgemein adoptirten talmudischen Auffassung ab, so sie ihm nicht die eigentliche, wahre Bedeutung wiedergibt, wie dieses 18seriein in den ביאורים zum 3. B. M. 20, 21 mit den Worten bemerkt: הדרשה שחזא DDH יותר משמעות המקרא אע״ג דבמסקנא ליתא, vgi. auch MiscacM zu Genesis 9, 4. Raschi’s Bibel-Commentar wurde nun seiner Einfachheit und Vortrefflichkeit wegen fast ausschliesslich der treue Begleiter der heiligen Schrift; wohl keine Bibel ־ Interpretation ist so oft gedruckt und supercommentirt worden, wie die Raschi’s. Zunz (Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums, 8. 352 ff.) zählt an 141 Pentateuch-Ausgaben mit und ohne Text auf. Juden und Nichtjuden schenkten ihr ihre ganze Aufmerksamkeit. Nicolaus de Lara, Sebastian Münster, Bochart, Seiden u. A. haben sie zum Th eile übersetzt, zum Th eile in ihren Werken stark benützt. Man kann sich einen ungefähren Begriff machen von dem hohen Ansehen, in welchem Raschi’s Commentar bei den berühmtesten Talmudisten stand, wenn man bedenkt, dass R. Joseph Karo als religiöse Norm feststellte, man solle neben der nach der talmudischen Vorschrift obliegenden Vorlesung der wöchentlichen Pentateuchperikope zweimal im hebräischen Text und einmal in chaldäischer Uebersetzung, auch den Raschicommentar studiren, und R. Salomon Luria in Frankel, Monatsschrift. XVI. 7. 21