Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Ethik des jüdisch-alexandrinischen Philosophen Philo
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
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250 Zar Ethik des jüdisch־ derung der Menschenliebe 11. s. w. Opfer bringen, also heraustreten aus dem Egoismus, Aufgeben zum Wohle Anderer. Philo’s oben gedachte Werke besprechen nur in geringen! Masse die Gesetze, die die Basis der auf Liebe und dem Streben nach Gottähnlichkeit sich aufbauenden Sittlichkeit bilden; selbst der erhabenen Grundpfeiler: Liebe den Ewigen u. 8. w. wird in seinen Schriften, soweit sie uns erhalten sind, nicht Erwähnung gefchan. Die Beschauung, die ihm das höchste Ziel, bedarf mehr des Lichts (Erkenntnisses), als der Wärme (Liebe). Hingegen kämpft er unermüdlich den unsittlichen, zur Wollust, zum gemeinen Sinnlichen herabziehenden Neigungen und Handlungen entgegen: sind sie doch die ingrimmigsten Feinde der Beschauung! Hier ist er überreich an Worten, schildert mit den schwärzesten Farben die Unsittlichkeit seiner Zeit — wozu ihm freilich die bekannte Zügellosigkeit der Bewohner Alexandriens reichen Stoff bot — und ist unermüdlich im Abmahnen von der Hinneigung zum Weltlichen. — Doch sind manche seiner Abhandlungen der Besprechung der biblischen Gesetze der Milde gewidmet, und wir wenden uns nun diesen zu. Dass auch hier mitunter die allegorische Deutung aufgesucht wird, macht einen sehr peinlichen Eindruck und ist kaum dadurch zu entschuldigen, dass Philo aus seiner Auffassungsweise nicht herauskonnte. Das so treffliche Gesetz der Milde: ״Wenn du pfändest das Gewand deines Nächsten, sollst du es bis Sonnenuntergang zurückgeben, denn dieses ist sein alleiniges Gewand, die Bedeckung für seinen Leib, worin soll er schlafen? Wird er zu mir schreien, so werde ich sein Geschrei hören, denn ich bin barmherzig“ (Exod. 22, 25. 26), meint Philo, könne nicht wörtlich aufgefasst werden. Der Schöpfer aller Dinge sollte sich wegen einer solchen Kleinigkeit barmherzig nennen? Und welches Unrecht begeht der Gläubiger, wenn er das zurückbehält, was er als Unterpfand empfangen u. 8. w. Hier ist nothwendig ein tielerer, allegorischer Sinn zu suchen. Unter Gewand wird die vernünftige Sprache verstanden: die Sprache ist der