Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 7 · p. Seite 249

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 7
Article
Zur Ethik des jüdisch-alexandrinischen Philosophen Philo
Date
1867-01-01
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829346-2829354-2862954--10685-2862978
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

alexandrinischen Philosophen Philo. 249 das Aufgehen in Gott, und der Weg, der zu diesem Aufgehen führt, das Abtödten des Sinnlichen: in diesem Abtödten liegt das wahrhaft Sittliche. Das Ringen nach Tugend ist heilige Pflicht, aber Tugend ist dieser Schule nicht die auf das Leben gerichtete höhere Thätigkeit, sondern die dem Erkennen und Beschauen und den durch sie herbeizuführenden Anschluss an Gott sich zuneigenden Geistesfimctionen; und der Gegensatz der Tugend ist nicht Unrecht, sondern die zum Sinnlichen herabziehende Wollust. Wir sollen daher versuchen, den Sinnen abzusagen und aus dem Körper herauszugehen: Die Askese ist das eigentliche Beförderungsmittel der Beschaumig. Zwar ist die Gottheit zu gross, als dass sie in irgendwelche unmittelbare Verbindung mit dem End*• liehen trete, aber der Mensch tritt durch Askese aus dem Endlichen heraus. Sinnlichkeit und Affecte fügen sich, das Körperliche gehet gleichsam auf und nur der geistige Theil waltet vor4). Dass dieses Princip nicht ganz geeignet ist, wahrhaft sittliche Menschen heranzubilden, ergibt sich bei einigem Nachdenken. Die Sittlichkeit soll sich in Beziehung des Menschen zum Menschen entwickeln, der Boden, auf welchem sie sich entfalte, ist die Gesellschaft, das wahrhaft Menschliche ist ihr edelster Ausdruck. Philo's Sitt־ lichkeit liegt über dem Menschen hinaus, beginnt erst eigentlich da, wo er aufhört Mensch zu sein, und nicht weniger, wie seine metaphysische, widerspricht seine etliisehe Anschauung Geist und Wort der Schrift. Es ist ferner dem Selbstaufgeben Philo’s ein gewisser Egoismus nicht fremd: das Ziel ist, sich zur Beschauung erheben, sich abgewandt von der Aussenwelt vervollkommnen, und in der That empfiehlt Philo dieses in offenen Worten. Die Sittlichkeit hingegen, die die Schrift will, ist ein Aufgeben zu Gunsten Anderer; sie verlangt, dass wir zum Zweck der Milderung menschlichen Elendes, der För- 4) Alleg. 3, p. 68. Migrat. Abraliam. p. 388 u. sonst.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.