Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Ethik des jüdisch-alexandrinischen Philosophen Philo
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
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248 Zur Ethik des jüdischdem abzuweichen, was die Mehrheit, zu deren Glauben man sich bekennt, als verbindend betrachtet3).“ Wir haben in diesem kurzen Umrisse den Forschungsgang Philo’s auf dem metaphysischen Gebiete verzeichnet und gehen nun za seinen Anschauungen und Lehren über Sittlichkeit über. Welchen reichen Stoff sowohl für das höchste Princip der Sittlichkeit, als deren einzelne Lehren bietet die Schrift! ״Du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele und mit allen deinen Kräften“, ״Ihr sollet heilig sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott“, so drückt sich'in der Schrift das Princip der Sittlichkeit ab, und hierauf wurden in Palästina alle sittlichen Handlungen zurückgeführt. ״Nach dem Ewigen, eurem Gott, sollet ihr gehen“ (Deuteron. 13, 5), ״suche ihm ähnlich zu werden; wie er gütig, sei du gütig; wie er barmherzig, sei du barmherzig u. s. w.“ lehrten die palästinensischen Lehrer: das Streben nach Gottesähnlichkeit ist Princip und Wesen der Sittlichkeit, die Wege, wie zu ihr zu gelangen, gibt die Schrift in den einzelnen Vorschriften an. — Eine andere Richtung schlägt Philo ein: er entwickelt nicht das Princip der Sittlichkeit aus der Schrift, sondern trägt es nach einem System von aussen in sie hinein. Ihm ist das höchste, dem Sterblichen anzustrebende Ziel 3) Das. — Diese Abirrungen wurden, wie bemerkt, durch den Wunsch hervorgerufen, griechische Theorien in der Schrift wiederzufinden. Man ging nicht mit dem Geiste der Schrift, sondern mit fremdem, der Schrift diametral entgegengesetztem Geiste an die Forschung. Diese mit Meinungen und Systemen griechischer Philosophen so tief Vertranten waren sogar, wofür Philo ein schlagendes Zeugniss ablegt, mit jüdischem Wissen ganz unbekannt. Philo kannte die Schritt nur aus der Septuaginta und las nie die heil. Schrift in der Ursprache, ja er war sogar, wie bis zur Evidenz nachgewiesen ist, des Hebräischen unkundig. Es fanden diese Verehrer griechischer Wissenschaft und vermeintlichen Glorificatoren des Glaubens durch sie nicht Müsse, sich mit der Sprache der Schrift vertraut zu machen und sie an der Quelle zu erkennen!