Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Ethik des jüdisch-alexandrinischen Philosophen Philo
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
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alexandrinischen Philosophen Philo. 243 es fanden bei ihnen Gelehrte Auskommen und Aufrnunterung. Alexandrien wurde allmälig der Sitz griechischer Bildung und Gelehrsamkeit und schien einige Zeit selbst hinter Athen nicht zurückzustehen. Dass dieser geistige Aufschwung an den Juden Alexandriens nicht spurlos vorüberging, ergibt sich schon aus dem Hinblick auf den zur Reflexion geneigten jüdischen Geist und den Antheil, den er in den verschiedensten Phasen an der jedesmaligen geistigen Bewegung nahm: ein nicht unbeträchtlicher Theil der gebildeteren Juden nahm griechische Anschauungen und griechische Theoreme in sich auf und und neigte zu der tonangebenden Bildung. Doch nun erwachte ein durch den scharfen Gegensatz zwischen griechischer Philosophie und der väterlichen Religion hervorgerufener Zwiespalt, für den eine Aussöhnung herbeigeführt werden sollte. Dass man nicht den Weg einschlug, den eine auch in Palästina zum Griechenthum neigende Partei betreten, die, auf den Ausgleich verzichtend, den offenen Abfall vom Judenthum anstrebte, hatte seinen Grund in dem verschiedenen Ausgangspunkte. In Palästina trieben innere Parteiungen dem Hellenismus entgegegen, eine ehrgeizige, unterliegende Partei hoffte mit Hülfe des griechischseleucidischen Hofes an die Spitze des Staates zu gelangen, das Motiv war also ein politisches und hierdurch zugleich ein Verrath an Glauben und Vaterland; in Alexandrien hingegen ging der Conflict aus der Speculation, dem reinen Denken hervor, und auf diesem Gebiete sollte er ausgetragen werden. Auch mahnte selbst der Blick nach aussen zum Anstreben eines Ausgleiches. In der griechischen Welt hatte sich seit langer Zeit ein innerer Verfall vorbereitet. Die alten Schulen, durch keinen hervorragenden Geist mehr getragen und keinen Schöpfungstrieb bekundend, waren zu einer Abspannung und Kraftlosigkeit herabgesunken, die nur aus früheren Systemen zusammenzulesen, ein selbstständiges System aber nicht aufzustellen vermochten. Bot nun schon an sich diese Zusammenlese, weil nicht ein in sich gegliedertes Ganze, weil nicht einem Genius entsprungen und von ihm getragen, dem forschenden Geiste keine Be- 19•