Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Lage der Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 11)
- Language
- German
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Zur Lage der Juden in Galizien. 211־ und Gewerbe ist in den Händen der Juden, und diese würden nach Hebung aller, auch der Wohnungsschranken gar bald die dominirende Einwohnerclasse werden. Auf solche Art einander näher gerückt, würde aber das bislierige Verhältniss der Christen zu den Juden kaum ein befreundeteres, vielmehr die Antipathie der Christen gegen die sie aus ihren bisherigen Wohn platzen verdrängenden Israeliten voraussichtlich zum offenen Hasse gesteigert werden. So sehr nun auch die besprochene Nassregel der Aufhebung des Judenbezirkes die israelitische Bewohnerschaft befriedigen würde, ebenso würde sie von der gesammten christlichen Bevölkerung Lemberg’s, mit Ausnähme etlicher auf Gewinn speculirenden Hausbesitzer, als eine wahre Calamität betrachtet werden und nicht verfehlen, in hohem Grade Missstimmung zu erzeugen. Ferner darf nicht unbeachtet bleiben, dass nach Aufhebung des Judenbezirkes in Lemberg auch der noch bestehende Judenbezirk bei Krakau, wo ähnliche Verhältnisse obwalten, für dessen Aufhebung aber jetzt noch kein Antrag vorliegt, kaum mehr länger aufrecht erhalten werden könnte, und eine gleiche Unzufriedenheit der christlichen Bevölkerung würde ohne Zweifel auch in Krakau die Folge einer solchen Massregel sein. Dagegen könnte dem Uebelstande des gehäuften Aneinanderwohnens der Lemberger Juden abgeholfen werden durch eine Erweiterung des Judenbezirkes. Die Erweiterung liesse sich in zweifacher Weise ausführen, indem entweder den Juden von den ihnen bisher verschlossen gewesenen Stadttheilen und Vorstädten einige neue Partieen zum Aufenthalte eingeräumt werden (wie solches bereits am 10. October 1811 beantragt wurde), oder aber dadurch, dass der jüdische Wohnbezirk in den ihnen jetzt zugewiesenen zwei Vorstadtvierteln, wenn auch da schon eine Ueberfüllung herrschen sollte, in einer der Stadt entgegengesetzten Richtung ausgedehnt und den Juden zur Gründung neuer Ansässigkeiten in den so artig erweiterten Vorstadt-Rayons Gelegenheit geboten wird.