Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Blick auf die Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 15)
- Language
- German
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Ein Blick auf die Juden in Galizien. 139 er solle den Gang massigen, er solle Schritt halten; vergeblich! er rennt über Stock und Stein, achtet nicht der Schranken, nicht der Hindernisse und übersieht am Ende in seinem Laufe den Abgrund, in den er hineinstürzt. Das sind nun die Nachtheile für die Religion, die aus jenem zähen Festhalten an Eigenheiten hervorgehen, die wiederum, wie zu zeigen versucht worden, nur Con- Sequenzen der Vernachlässigung und Missachtung von Seiten des Staates und der Gesellschaft sind. — Sollen aber auch diese Consequenzen von dem moralischen Urheber derselben, dem Staate, beseitigt werden? — Wir haben oben viel von Staatshilfe und -Einmischung gesprochen und haben uns nicht gescheut,- für gewisse Dinge geradezu die staatliche Bevormundung in Anspruch zu nehmen. Da wir jetzt mit unserer Dar- Stellung fast unvermerkt in die scheinbar rein Innern Zustände hineingerathen sind, so wird es wohl nöthig sein, um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen, zu zeigen, wie weit sich diese staatliche Einmischung erstrecken darf und wo sie aufhören muss, wenn sie der guten Sache nicht schaden soll. Es ist eine genügend bekannte Thatsache — und sie ist bereits oben berührt worden, — dass einem Volke oft, ja noch öfter vielleicht als einem Einzelnen, gewisse Symbole mehr bedeuten und von ihm höher gehalten werden, als die Sache selber, die sie ans drücken, dass es zur Verteidigung gewisser Zeichen und Formen, in denen sich Gedanken veräusserlichen, mehr einsetzt, als für die Verteidigung der Gedanken selber, so dass, wer die Beseitigung dieser Zeichen und Formen will, gut tut, wenn er nur auf die Beseitigung der Gedanken selber sein Augenmerk richtet. Ebenso aber wird man die Formen schonen müssen, wenn man die denselben innewohnenden Gedanken gewahrt wissen will. In jedem Falle also sind solche Aeusserliclikeiten geeignet, uns in ziemlicher Entfernung zu halten, indem sie uns ein noli me tangere zurufen; es muss eben mehr ihr subjectiver als ihr objectiver Werth in Anschlag gebracht werden,