Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Blick auf die Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 6)
- Language
- German
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130 ׳ Y*־ Ein Blick aaf die Juden in Galizien Verfahren einen solchen hohen Grad erreichen, weil jene noch immer aufrecht erhaltene Ausschliessung für die dortigen Juden von den weitgreifendsten, natürlich nachtheiligsten Folgen gewesen, weil sie einen fast unberechenbar traurigen Einfluss auf ihr Wesen und Thun, auf ihr Denken und Handeln in religiöser sowohl, wie in praktischer Beziehung ausgeübt, und weil sie endlich die schon bestehende Kluft so sehr erweitert, dass sie fast durch nichts mehr tiberbrückt werden kann und diese Kluft den Augen aller Welt blosslegt; denn durch sie kommt zu den beiden wesentlich trennenden Momenten, nämlich der Verschiedenheit des Charakters und der des Bildungsganges, noch die locale Trennung hinzu und damit fast die vollständige sociale Trennung der beiden Confessionen. — Doch noch mehr. Jene von Aussen kommende Ausschliessung hat bei den dortigen Juden eine innere Selbstausschliessung erzeugt, die sich in einer Menge von Erscheinungen und Eigentümlichkeiten offenhart, und die darzulegen vielleicht von nicht geringem volkspsychologischem Interesse sein dürfte. Wir wollen es darum versuchen. Durch die oft genannte locale Ausschliessung will man die dortigen Juden vollends zu den Parias der Gesellschaft machen. Sie selber aber betrachten sich keineswegs als solche, geben sich innerlich darum nimmer auf. Dazu besitzt der Jude zu viel Selbstbewusstsein und namentlich der galizische Jude zu viel Adelsstolz. Sie sind von Staat und Stadt ausgeschlossen, nun so schaffen sie sich einen eigenen Staat, eine eigene Stadt. Sie wollen nun auch ihr Eigenes, Besonderes und Eigenthümliches haben. Und wie es oft bei unterdrückten und erbitterten Kationen zu geschehen pflegt, dass sie, ihre Ohnmacht fühlend, die innere Empörung durch Aeusserlieh es und Kleinliches kundgeben, dass sie an unbedeutende Zeichen und Farben nationale Bedeutung knüpfen und dieselben hoch und teuer halten, mit allen Kräften verteidigen, als wären diese Zeichen und Farben die Nationalität selber, so klammern sich die dortigen Juden an äussere Unterscheidungszeichen an, die nichts mit