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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 4 · p. Seite 128

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 4
Article
Ein Blick auf die Juden in Galizien
Date
1867-01-01
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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128 Ein Blick auf die Juden in Galizien. Wir können freilich nicht verhehlen, dass mit der Besitznahme Galiziens durch Oesterreich ein wenn auch nur leiser Hauch deutscher Gesittung und Humanität manche galizische Stadt gestreift, dass wenigstens der Ungebundenheit und Zügellosigkeit allmälig Einhalt gethan wurde, dass namentlich in Krakau, der einstigen polnischen Residenzstadt (die wir hier hauptsächlich im Auge haben, weil sie durch ihre mannigfachen Schicksale, durch ihre grosse Vergangenheit und kleine Gegenwart, für eine Charakterisirung der socialen Stellung der Juden den meisten Stoff bietet), jene barbarischen Scenen allmälig, wenn auch nur sehr allmälig aufhörten, oder doch wenigstens das Tageslicht scheuten. Dies Alles dürfen wir uns nicht verhehlen. Aber ebenso wenig können wir verbergen, dass gerade der moralische Urheber aller jener traurigen Auftritte, nämlich die privilegirte Ausschliessung der Juden von den christlichen Strassen, noch jetzt nicht ganz ausser Kraft getreten ist. Denn wenn auch manche dieser Strassen in neuerer Zeit den Juden etwas zugänglieber geworden sind, so ist dies doch mehr eine aus besonderer Gnade gemachte Concession, als eine wirkliche Aufhebung jenes Verbotes, geschieht nur zeit- und theilweise, unter solchen Cautelen und Verclausulirungen, unter manchen so harten Bedingungen, dass der eigentliche polnische Jude nur sehr selten und sehr ungern von dieser Erlaubniss Gebrauch macht. Von den wirklichen Haupt- Strassen, von der eigentlichen Stadt (der von den Christen bewohnte Theil wird, charakteristisch genug, von den Juden selber ״die Siadt" schlechtweg genannt) sind die polnischen Juden nach wie vor ausgeschlossen. Und wenn man da die ganz natürliche Frage aufwirft, wie es komme, dass, nachdem jede politische Selbstständigkeit durch die Eroberung Oesterreichs verloren gegangen, nicht auch jene, die Juden so hemmenden Schranken gefallen sind, so kann man noch jetzt die ganz unnatürliche Antwort erhalten: ״Die Städte haben ja ihre verbrieften Privilegien, die man ihnen nicht ohne Weiteres nehmen kann." Ein merkwürdig zarter Gerechtigkeitssinn! Wahrlich, man ist fast geneigt, diese Antwort als Scherz

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