Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Blick auf die Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
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Ein Blick auf die Juden in Galizien. 127 wie bereits oben angedeutet, streng unterscheiden. Die polnischen Razzias galten weniger der Judenschaft, als dem einzelnen Juden, sie waren darum auch nie organisirt und hatten mehr den Charakter gelegentlicher Ausartungen und kleiner Scharmützel. Nicht zogen die Banden hinein in das Judenquartier, sondern warteten vielmehr bis der Jude in ihr Bereich hineingerieth, der nun zur Zielscheibe thätlicher Invectiven wurde. Was diese Kravalle daher am meisten von den gewöhnlichen unterscheidet, ist, dass sie fast nie das Eigenthum des Juden berührten, dass niemals Raubsucht die Veranlassung derselben war. Das kommt daher, dass die Polen von der Cultur nicht ganz unberührt geblieben, dass ihnen ein gewisses chevalerskes Wesen eigen ist. Es ist mehr die Lust, Kurzweil zu treiben mit den in ihren Augen so niedrig stehenden Juden, was sie zu jenen Excessen treibet, es ist einfache Befriedigung junkerlicher Passionen, ein Austoben der Zerstörungssucht, ein stürmisches Heraussetzen des Geistes, ״der stets verneint“, die Betätigung der dem Polen eigenen Herostatsnatur an schwachen und schutzlosen Geschöpfen. — Da wir das Alter dieser Privilegien nicht anzugeben vermögen, so können wir auch nicht wissen, ob solche Auftritte, wie sie eben beschrieben wurden, auch im alten Königreich Polen vorgekommen sind; aber dies auch zugegeben, so kann man darin nur wieder eine Bestätigung der früheren Behauptung finden, dass jedwede Zurücksetzung der Juden von Seiten des Staates einen unheilvollen Einfluss auf das Verhalten der Bevölkerung den Zurückgesetzten gegenüber ausübt. Denn solche Auftritte (die übrigens in früherer Zeit sicherlich nicht ungestraft blieben, über die aber in den letzten Jahren der Jude selber unseres Wissens niemals Beschwerde führte) kamen eben in Polen nur da vor, wo der Staat sich zur Ertheilung der genannten Privilegien herbeigelassen hatte. Mögen aber jene Auftritte beschaffen sein, wie sie wollen, sie kennzeichnen doch immer in recht trauriger Weise die polnische Gesinnung und Stimmung gegen den Juden, 10*