Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Blick auf die Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
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126 ׳ Ein Blick auf die Juden in Galizien. * nimmt, und bestätigt ganz die oben aufgestellte Behauptung, dass der Pole mit dem Juden nur so weit gern verkehrt, als er ihn für seine privaten Interessen verwerthen und ausnutzen kann. Ist dieser Zweck erreicht, kann der Jude nicht mehr seinen Interessen dienen, dann hört auch das Interesse des Polen für ihn auf, wie für das Kleid, wenn es abgenutzt, wie für die Schale, wenn die Frucht genossen ist. Kann er den Juden nicht im Bedienten* zimmer sehen, dann will er ihn so weit wie möglich entfernt von sich wissen. Für Denjenigen, der nicht gewohnt ist, sich von dem Scheine täuschen und in seinem Urtheile bestimmen zu lassen, ist die äussere Freundlichkeit, die gefällige Glätte und die vornehme Herablassung nur eine schwache Hülle für die innere Verachtung und Gering- Schätzung, für den tiefen Hass, den gerade der vornehme Pole gegen den Juden hegt. 0 dieses Innere hat sich gar oft schon nach aussen gekehrt! Es überläuft Denjenigen ein gewisses schauerliches Frösteln, der an die Zeit denkt (und sie ist noch leicht erinnerlich, denn sie hat noch keine zwei Decennien zurückgelegt), an die Zeit, in der der Jude sich fast nur mit Lebensgefahr in die von Christen bewohnten Strassen hineinwagen durfte. Da konnte man bei öffentlichen Gelegenheiten, bei kirchliehen Processionen oder sonstigen officiellen Feierlichkeiten, selbst unter der Herrschaft Oesterreichs (wie z. B. bei der gefeierten Krönung des jetzigen Kaisers) die entfesselte Bestialität dieser freiheitsdurstigen Nation sehen, wie sie über den wehrlosen Juden nach echter Waidmannsart herfiel; da konnte man sehen, wie sie sich zusammenrotteten diese nationalen Bravos und unter diabolischem Gelächter mit dem armen Jnden, der in diese slavischen Abruzzen hineingerathen war, eine lustige Hetzjagd mit unübertrefflicher Bravour autführten, an der Spitze natürlich allemal der Stolz und dieBlüthe dieser Nation, diestudirende Jugend. Da war, so zu sagen, der classische Boden für die Judenkrawalle, die hier keineswegs zur Ausnahme, sondern fast zur Tagesordnung gehörten, die aber eben classisch in ihrer Art eine ganz besondere Species unter den Judenhetzen bilden und sich z. B. von den böhmischen,