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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 3 · p. Seite 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1867-01-01
Page
Seite 114 (sequence 4)
Language
German
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114 Cultus. Das zweite Moment, von dem wir oben gesprochen] haben, muss hier noch schärfer in’s Auge gefasst werden, ״Die Geschichte des israelitischen Volkes, sagt Ewald, ist im Grunde die, Geschichte der durch alle Sjufen bis zur Vollendung sich ausbildenden wahren Religion.“ Die religiöse Anschauung des Volkes prägt sich aber vor Allem in dessen allgemeiner öffentlieber Gottesverehrung aus, tritt uns in ihr in concreter Gestalt entgegen. Der Cultus ist ein in sich selbst festgegliederter Organismus, der ihn belebende Geist ist die religiöse Idee. Diese entwickelt sich und mit ihr und durch sie der Cultus, sie bildet dessen gedanklichen Inhalt. Auf sie muss daher in einer Geschichte des jüdischen Cultus, so fern man sich auch von Religionsgeschichte halten will, eingegangen werden. Der Nachweis der allmäligen genetischen Entwickelung des Cultus an der Hand der sich durch ihn manifestirenden religiösen Idee heisst Geschichte. Es kann keine Frage sein, ob eine solche Geschichte möglich sei. Hat nicht Zunz in den ״gottesdienstlichen Vorträgen der Juden“ den Entwickelungsgang des synagogalen Cultus seit Esra in klaren Umrissen gezeichnet? Haben nicht die vortrefflichen Arbeiten von Zunz, Sachs, Dukes u. A. über die synagogale Poesie den Weg beleuchtet, den der religiöse Gedanke der Juden im Mittelalter eingeschlagen hat, um sich trotz des äussern Druckes in seiner ganzen Fülle zu entfalten? Hat nicht Ewald in seiner ,,Geschichte des Volkes Israel“, freilieh von einem kritischen Standpunkte, den wir nicht mit ihm theilen, ganz besonders die Entwickelung des Tempelcultus im Zusammenhänge mit dein geistigen Leben des Volkes bis in ihre letzten Spuren verfolgt? Es fehlt uns also durchaus nicht an geschichtlichen Darstellungen des Stoffes, dem das vorliegende Buch gewidmet ist. Diese Schriften, man mag mit deren Re- 8 ul taten übereinstimmen oder nicht, zeigen uns doch jedenfalls einigermassen System und Methode einer1 Geschichte des jüdischen Cultus. Die vorliegende Geschichte hat ihre eigene Methode, sie unterwirft sich nicht den wesentlichen Bedingungen der Historicität. Der Verfasser schildert die Dinge gar nicht wie ein Historiker, sondern wie ein Tourist, dem es mehr um einzelne pikante Notizen als um eine streng zusammenhängende Recensiohen und Anzeigen.

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