Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das "Schächten", vom physiologischen Standpunkte
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 7)
- Language
- German
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vom physiologischen Standpunkte. 99 wieder auf lebt 5 so kann man ihn eine Zeit lang abwechselnd todt und lebendig erscheinen lassen. Die Contractionen in den contractilen Gebilden, die Zuckungen, Convulsionen sind also die letzten Actionen nach bereits untergegangenem Leben des Individuums; man ist mithin physiologisch vollkommen berechtigt zu dem Satze, dass bei Verblutungen durch den Halsschnitt, wie er beim Schächten ausgeführt wird, der Todeskampf, post mortem kommt. Das anderweitig gebräuchliche Schlachten der grösseren Wiederkäuer und Pferde durch einen Schlag auf den Kopf ist sicherlich auch eine Tödtungsart, bei welcher die Thiere eben nur den Schlag empfinden, die damit verbundene Gehirnerschütterung hat gewöhnlich die Gehirnfunction, Empfindung und Bewusstsein, schon vernichtet; wenn aber der Schlag nicht vollständig gelingt oder wohl gar gänzlich misslingt, so dass mehrere Schläge erfolgen müssen, ehe Betäubung eintritt, oder letztere wohl gar nicht durch die Erschütterung, sondern erst später durch Verblutung mittelhst des Bruststiches herbeigeführt wird, dann ist diese Tödtungsart wirklich so schrecklich, wie sie aussieht, und eine furchtbare Thierquälerei. Dieser Todtschlag ist nie so sicher, als der Halsschnitt; der Geübteste kann einen Fehlschlag thun. Eine noch andere Tödtungsart ist der Genickstich, das Nicken. Der Laie wird hierdurch am meisten befriedigt; die Thiere brechen im Momente des Einstichs in das verlängerte Mark zusammen und können keinerlei Bewegungen machen. Dennoch ist diese Tödtungsart die verabscheuungswürdigste von allen, die grösste Thierquälerei, die von Staatswegen mit der grössten Strenge unterdrückt werden sollte. Nach dem Stiche sind die Thiere zwar gelähmt und das Athmen steht sofort still, das Herz aber schlägt fort; 8, 12 Minuten bis zu % Stunde habe ich den allmalig kleiner werdenden Puls bei Pferden verfolgen können. Die Circulation dauert also noch fort und damit auch das Gehirnleben trotz der Verletzung des verlängerten Markes. Erst wenn die Hypercarbonisation des Blutes, die mit dem 8°