Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das "Schächten", vom physiologischen Standpunkte
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 6)
- Language
- German
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98 ד lieber das ״Schachten“, nach der Entseelung, nachdem das Individuum streng genommen aufgehört hat als solches zu existiren. Jedes Organ äussert sein Leben, seine Thätigkeit nur unter gewissen Bedingungen, die man Lebensbedingungen nennt; eine absolute Lebensbedingung bei allen hohem Thieren für alle Organe und ganz absonderlich für das Gehirn, den Sitz der Empfindung, des Bewusstseins, des Wohlgefallens und der Qual, ist das Blut; die normale Function eines jeden Organes kann nur bei normaler Zuführung normal beschaffenen Blutes fortbestehen, verminderfcer Blutandrang bedingt nicht nur verminderte Ernährung, sondern auch verminderte Function in jedem Organe und so auch im Gehirn. Wenn nun dieHauptgefässe, dieCarotiden, abgeschnitten sind, so hört in demselben Augenblick der Blutzufluss nach dem Gehirn auf, weil durch die bestehende Anastomose zwischen den Carotiden und der Halswirbelarterie (Art. vertebralis) es anatomisch bedingt ist, dass auch selbst das Blut der letzteren nicht nach dem Gehirne gelangt, und deshalb eben bluten ja auch die durchschnittenen Carotiden nicht blos aus dem vom Herzen kommenden Ende, sondern auch aus dem zum Kopfe führenden. Schon durch dies Aufhören des Blutzuflusses, ganz abgesehen ־von der gleichzeitigen Entleerung der Venen, die vom Gehirn kommen, wird es bedingt, dass vom Augenblicke der Durschneidung ab die Gehirnfunction zu schwinden beginnt, und bereits verschwunden ist, wenn dieses Organ blutleer geworden ist, also mit der Verblutung und mit dem Verschwundensein der Gehirnfunction hat eben die Empfindung, das Bewusstsein, das Leben des Individuums aufgehört. Der Halsschnitt beim Schächten ist deshalb auch physiologisch gleich zu betrachten mit dem vollständigen Köpfen. Der Beweis lässt sich experimentell noch direct führen: lässt man ein kleines Thier, z. B. einen Hund, ziemlich verbluten und stillt dann die Blutung, so zeigt derselbe keine Lebens-Erscheinungen und nicht eine Spur von Empfindung, wenn man den Kopf hochhält, während er umgekehrt beim Aufheben an den Hinterbeinen sofort