Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das "Schächten", vom physiologischen Standpunkte
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 5)
- Language
- German
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vom physiologischen Standpunkte. 97 schnelle und sichere Weise zu vernichten, das ist eben, die Hauptaufgabe bei dem Schlachten, und diese Aufgabe ist durch das Schlachten nach jüdischen Vorschriften bis jetzt noch am vollkommensten gelöst. Zunächst ist hervorzuheben, dass keine Operationen beim Schlachten neben der Schnelligkeit zugleich so leicht und so sicher ausgeführt werden kann, als der Halsschnitt beim Schächten; ein Misslingen kann bei der Art der Fesselung der Thiere und Fixirung des Kopfes, wie auch bei der Einrichtung des Messers gar nicht Vorkommen, und das ist ein sehr grosser Vorzug vor allen andern Schlachtmethoden. Neben dieser Sicherheit ist das Schachteil auch jedenfalls die am wenigsten qualvolle Tödtungsart. Der Schnitt selbst ist der eigentliche schmerzhafte Act, der aber bei der raschen und sichern Ausführung mit einem scharfen Instrumente nur einen Moment dauert, und ein solcher momentaner Schmerz ist eben keine Qual. Man kann sich hiervon schon direct überzeugen. Die betreffenden Thiere reagiren unmittelbar auf den Schnitt, liegen dann aber gewöhnlich ruhig, als ob das hervorstürzende Blut ihnen Linderung verschaffte; nur zuweilen straucheln die Thiere mit den Beinen, besonders die Kälber, was aber weiter nichts ist, als ein Sträuben gegen die Fesselung, denn es kommt bei den blos gefesselten Thieren momentan in ganz gleicher Weise vor, ohne dass ihnen ein Leid gethan ist, während es bei ruhigen, älteren Thieren nach dem Halsschnitte nicht eintritt. Erst gegen Ende der Blutung zeigt sich der sogenannte Todeskampf (Agonie), ausgedrückt durch krampfhafte Contractionen (Convulsionen) der contractilen Gebilde einzelner Theile oder des ganzen Körpers. Die Convulsionen im Todeskampfe kommen allerdings unter dem Einflüsse der Bewegungsnerven und in den willkürlichen Bewegungsorganen unter dem Einflüsse des Gehirns und Kückenmarkes zu Stande, sie treten aber erst ein, wenn clie physiologischen Functionen vollständig erloschen sind, weder Empfindung noch Vorstellung und Bewusstsein besteht, sie sind also Aeusserungen des Todeskampfes Frankel, Monatsschrift. XVI. 3. g