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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 3 · p. Seite 89

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 3
Article
Eon Blick auf die Juden in Galizien
Date
1867-01-01
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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Ein Blick auf die Juden in Galizien. 89 versittlichende Kraft, die geeignet ist, den Juden mit sittlich61׳ Festigkeit und selbstbewusstem Stolz gegen alle fremde Zurücksetzung und Herabwürdigung zu waffnen? Besitzt nicht gerade der Talmud, dieses Manna für die lange Wüstenwanderung Israels, die Wunderkraft, dem, der es lieb gewonnen und daran glaubt, manche irdischen Speisen zu ersetzen und ihn wenigstens in sich zufrieden, genügsam, unabhängig und so gewissermassen aller äusseren Abhängigkeit zum Trotze auch innerlich frei zu machen? Ja wohl besitzt er diese Zauberkraft und könnte sie auch ausüben. Aber um diese seine Befreiungsgabe zu bewähren, muss er auch in freier Weise geboten werden, muss man ihn eben lieb gewinnen. Gebet dem im Gefängnisse Schmachtenden die besten, sonst zuträglichsten Speisen, sie werden ihm schwerlich munden, schwerlich gut bekommen. Ein Gefängniss des Geistes aber ist die Stätte, in welcher jenes Buch dort gelehrt wird, jenes Buch, das dem Geiste den weitesten Spielraum gewährt, um sich auf ihm, wenn wir so sagen dürfen, in freiester Weise zu tummeln. Eine wahre Geisteszwingburg, in welcher nur die Knute herrscht und wo die Liebe nimmer weilen mag, eine Schule, in der Körper und Geist ungeschult bleiben, das ist das Glieder. Wir verkennen keineswegs die sittliche Grösse, diein diesem Zufluchtnehmen zu einem Buche liegt, das voller Gedankenprocesse und das Leben veredelnder, ethischer Lehren ist. War ja dies stets den Juden eigen, dass sie, wenn auch von der Gesellschaft verwiesen und verbannt, von den allen Andern zugänglichen Bildnngsquellen gewaltsam fern gehalten, sich doch nicht der Gedankenlosigkeit hingaben, sich nicht, wie es bei der bildungslosen Masse anderer Völker fast zur Regel gehört, dem Laster in die Arme warfen, sondern sich in jene eigenthtimliche Gedankenwelt des Talmuds versenkten, und in ihr Schärfung des Verstandes und Hebung des Geistes im Hohen und Gedanklichen suchten und fanden, und dadurch vor manchen Verirrungen bewahrt wurden. Möchten wir ja fast behaupten, dass eine ״Hefe des Volkes", wenigstens in dem Sinne eines moralischen Gesunkenseins, unter den Juden fast gar nicht zu finden

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