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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 3 · p. Seite 87

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 3
Article
Eon Blick auf die Juden in Galizien
Date
1867-01-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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Ein Blick auf die Juden in Galizien. 87 und dem Wissensdurst der galizischen Juden, von ihrer Empfänglichkeit und von der geistigen Elasticität, die ja gemeiniglich den Juden überhaupt nachgerühmt wird, die aber dem polnischen Juden in besonders hohem Grade eigen ist, kaum eine genügende Vorstellung machen. Dieser unbefriedigte, ja gehemmte Wissensdrang wirft sich dann entweder auf Gegenstände, denen die Betreffenden nicht gewachsen sind, oder auf solche, die, dem Gesichtskreise der Gesellschaft allzu fern liegend, die Geisteskräfte zu Niemandes Nutzen aufreiben, oder endlich auf solche, die zu gering und dieser Geisteskräfte unwürdig sind. Möchten wir ja beinahe behaupten, dass die uns so anstössige, übertriebene Neugierde der polnischen Juden nur eine Folge der unbefriedigten Wissbegierde ist. Wem das Grosse, um das sich zu bekümmern er so viel Neigung und Lust hat, systematisch entzogen wird, der mag den Sinn für Hohes und Grosses verlieren, aber nicht den Trieb, Neues zu erfahren, zu lernen und zu wissen und darum auch zu fragen; er wird so nur in andere Bahnen gelenkt, er will und muss sich für etwas interessiren, er wendet sich dem ihm näher Liegenden zu, natürlich oft Kleinlichem und Unbedeutendem. Man sollte überhaupt bei der Beurtheilung der Eigentümlichkeiten dieser Menschenklasse (wie ja auch jedes Volkes) nicht allzuschnell mit der Verurteilung bei der Hand sein, man sollte sich auch nicht mit der einfachen Constatirung derselben begnügen, sondern auch die Ursächlichkeit in genaue Erwägung ziehen, man sollte emporsteigen zu den höheren Motiven durch die sie herbeigeführt worden sind; man wird dann Manches milder beurteilen, man wird wenigstens Keinen für die Sünden Anderer verantwörtlich machen. In diesem Sinne wollen wir weiter die die Volksbildung betreffenden Zustände verfolgen, das Bezeichnendste derselben hervorheben und namentlich ihren Quellen, aus denen sie geflossen, getreulich nachspüren. Zu einer für das Leben grundlegenden Bildung gehören vor allem Schulen, und zwar, es muss wiederholt werden, Schulen mit staatlicher Hülfe und staatlicher Organisation,

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