Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eon Blick auf die Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 Ein Blick auf die Juden in Galizien. Staate einen Rückschluss machen, nicht blos auf den Bildungsgrad, sondern auch auf das Mass der Toleranz und Liberalität des Staates und. seiner Regierung. Denn der Jude wird stets und überall an allem Bildenden und Wissenswerthen lebhaft theilnehmen, wenn es ihm angeboten wird, ja wenn ihm nur der Zutritt zu den Bildungsquellen gestattet wird. Diese Quellen müssten auch für die andere Bevölkerung nur sehr spärlich fliessen und ausserdem noch ganz besonders für den Juden unzugänglich gemacht werden, wenn dieser hinter der allgemeinen Bildung Zurückbleiben, oder von derselben überhaupt unberührt bleiben sollte. Gibt man dies zu, dann wird man auch nicht bestreiten können, dass der Bildungsgrad der Juden in Galizien einen gar traurigen Reflex auf den Staat und sein Regierungs-System wirft. Man würde mit unverantwortlicher Oberflächlichkeit zu Werke gehen, oder man müsste absichtlich der wahren moralischen Urheberschaft aus dem Wege gehen wollen und so ein nicht zu entschuldigendes Unrecht begehen, wenn man die Schuld dieses so niedrigen Bildungsstandes, oder vielmehr dieser Bildungslosigkeit den dortigen Juden selber zur Last legen wollte. Man müsste dann auch vor ihrer bekannten Bildungsfähigkeit, vor ihrer offenkundigen Empfänglichkeit das Auge fest zudrücken. Rur die Sünder, die die Früchte ihrer Sünde gemessen wollen, pflegen gern so zu verfahren. Oder was anderes heisst es, als die schwere Wucht des Unrechts, das man an Einem begeht, diesem um des eigenen Vorfcheils willen auf den Nacken werfen, wenn man die Juden in Galizien der Bildungslosigkeit wegen von gewissen Rechten ausschliessen will, wie es vor nicht langer Zeit der freilich polnisch gesinnte Statthalter Galiziens (der in letzter Zeit, vor den Landtagswahlen, auf deren Ausfall die Juden keinen geringen Einfluss haben, sich denselben milder gestimmt zeigte) mit Erfolg unternommen hat? Heisst dies etwas anderes, als Jemand der Waffen berauben und ihn hinterdrein der Feigheit zeihen, weil er dem Bewaffneten gegenüber nicht Stand halten konnte? Vs lässt sich dem Fernstehenden von der Wissbegierde