Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eon Blick auf die Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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Ein ׳Blick auf die׳'Juden ׳'■in ■׳Galizien. 85 wird er aber immer in Folge einer gewissen Noblesse den Schein zu wahren suchen, den öffentlichen Skandal scheuen, und darum werden beispielsweise Judenhetzen bei ihm mehr im Stillen und nicht in so roher Weise vorkommen. So der Ungar und der Pole. Und weit hinter ihnen liegt das niedrige, urgemeine, von derber Güte und verfeinernder Cultur gleichweit entfernte Czechenthum. Doch wir haben es hier mit den Polen zu thun. So viel wird inan aus den wenigen Strichen, mit denen wir sie zu zeichnen versucht haben, ersehen, dass die günstige Gestaltung der jüdischen Verhältnisse im alten Polen keineswegs von unten ausgegangen war. Nur der gute Wille von oben, die starke Initiative der Könige war es, die den Ton auch in der Bevölkerung angab. Der Staat achtete den Juden, und es wagte darum selten Jemand, ihn zu verachten. — Darum sagen wir, dass es in der Hand und zugleich, wie nachgewiesen wurde, im eigenen Interesse der österreichischen Regierung liegt, diese ohne Grund zurückgesetzten Bürger zu rehabilitiren, sie in ihre Würde wieder einzusetzen, ihr gutes Recht öffentlich und klar anzuerkennen, sie zur öffentlichen Thätigkeit fähig zu machen und heranzuziehen und an der Arbeit der Zeit sie redlich theilnehmen zu lassen, damit nicht ferner ein grosser, für die Gemeinsamkeit, für den Staat in segenreicher Weise zu verwerthender geistiger Fond ohne allen Grund zu Grunde gehe, Doch scheint es uns nöthig zu sein, diese allgemein gehaltene Betrachtung ein wenig zu specialisiren, sie an den Thatsachen, an den bestehenden Verhältnissen zu beleuchten, und darum wollen wir die Stellung der Juden in Galizien in intellectueller und staatlicher^ oder besser socialer Beziehung und die aus dieser Stellung hervorgegangenen Erscheinungen etwas näher in’s Auge fassen. Zunächst das Erste. Wenn man im Allgemeinen die staatliche Stellung der Juden als Massstab nicht blos für den Grad der Humanitat, sondern anch für den Bildungsgrad des betreffenden Staates anzunehmen pflegt, so kann man mit noch grösserem Rechte von dem Bildungsgrade der Juden in jedem