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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 3 · p. Seite 84

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 3
Article
Eon Blick auf die Juden in Galizien
Date
1867-01-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 Ein-Blick auf die Juden in Galizien. vermag. Die Juden werden aufhören, sich gegenüber nur Stiefbrüder zu sehen, wenn sie vom Staate nicht mehr stiefmütterlich behandelt werden. Oder was war es denn, das die Lage der Juden im alten Polen so günstig gestaltete? War es etwa die brüderliehe Liebe, oder das Gerechtigkeitsgefühl der Bevölkerung? Mit Nichten! Der polnische Adel — und fast nur aus Adel und Bauern bestand immer das eigentliche Polen — der polnische Adel verkehrt nur gern, wie bereits früher bemerkt wurde, mit dem gebeugten und gedrückten Juden, den er für jedwede Angelegenheit zum Factotum gebrauchen und für seine Speculationen aüsbeuten kann. Einen Gleichberechtigten und Rechtsbewussten duldet er nimmer neben sich. Das ״ehrsame Bürgerthum", das in andern Ländern und namentlich in Deutschland ein so starkes Glied im Staatsgefüge bildet, ist für ihn ein unerträglicher, ja fast unbekannter Begriff. Entweder ״hoch hinaus", oder ״tief hinab" heisst’s bei ihm. Und die andere Bevölkerung, das Volk? Nun, die frommen Gemüther wurden dort zu jeder Zeit von dem 61erus in der rechten Weise bearbeitet. Was nach einer solchen Bearbeitung für die Juden zu erwarten ist, braucht wohl nicht erst auseiuandergesetzt zu werden. Ausserdem hat die Natur des Slaven sehr wenig für die Juden Günstiges. Zur Charakterisirung der drei Nationalitäten, die in Oesterreich jetzt am meisten von sich reden machen, kann unseres Dafürhaltens folgende Klimax aufgestellt werden. Dem Ungar ist eine gewisse Derbheit und Naturwüchsigkeit eigen, der auch nicht die Lichtseiten einer solchen Natur fehlen: der starre, unbeugsame Gerechtigkeitssinn, eine strenge Consequenz in allen Handlungen, auch wenn sie zu seinem Nachtheile ausschlagen sollten. Er ist von einer wenn auch derben Güte, ist vor Allem nicht täuschend, und der Jude z. B. wird wohl gleich wissen, woran er mit ihm ist. Der Pole hingegen ist äusserlich geschliffener, aber unzuverlässig und unberechenbar; unter der Politur ist oft eine gefährliche Tücke verborgen; er ist herrschsüchtig im höchsten Grade. Dafür

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