Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die jüdische Religionsphilosophie über die Anthropomorphismen der Bibel
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
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11bex;;Me׳'-Anthrop61nö!rph-is1heKi der Bibel. 65 dass andererseits auch die Anregung zur Bekämpfung des Anthropomorphismus mit Hülfe philosophischer Waffen von mohatnedänischen Rationalisten ausgegangen ist6). Die ״vier Fragen“ (ל(אלארבע״ה מטאלב welche die Hauptmaterien der islamitisehen Religionsphilosophie bildeten, nämlich: die Weltschöpfung, das Dasein Gottes, dessen Einheit, sowie dessen Unkörperlichkeit (5( נפי אלתגסים sind erst von da auch in die jüdischen Philosophenschulen des Mittelalters hinübergetragen worden. Wie in der vortalmudischen Zeit Onkelos, so wurde in der nachtalmudischen Zeit der geistig rührige und fruchtbare Saadia von dein Streben geleitet, in seiner Bibelübersetzung Alles zu umdeuten und zu vergeistigen, was einer sinnlichen Vorstellung von Gott im Entferntesten gleich sieht. Es war dies, wie er in der Einl. angibt, einer von den drei Zwecken, die er bei seiner Bibelübersetzung eben im Auge gehabt. Vernunft, Schrift und Ueberlieferung, sagt er in seiner Religions* philosophie, Emunot II., 8mahnen ihn einmüthig davon ab, die biblischen Anthropomorphismen buchstäblich aufzufassen. Unter Ueberlieferung verstehe er die sogenannten Targumim, deren Verfasser Schüler der Propheten waren und die mithin das beste Verständniss der Prophetenworte haben mussten. Die Schrift enthalte zehn anthropomorphistische Ausdrücke: Kopf, Auge, Ohr, Mund, Lippe, Antlitz, Hand, Herz, Eingeweide und Fuss. Zum Beweis nun, dass alle diese vermenschlichenden Bezeichnungen nur eine, rein bildliche Bedeutung haben, diene ihm der Umstand, dass die Schritt auch leblosen, anorganischen Dingen ebenso menschliche Gliedmassen beilegt. So itzt in der Bibel die Rede von einem Kopf des Staubes, von dem Auge, dem Ohr, dem Gesicht, dem Mund und dem Flügel der Erde, von der Hand und der Lippe des Stromes, von dem Herzen des Meeres, oder von dem Nabel des Landes. Wie nun hier unsere sinnliche Wahrnehmung gegen jede buchstäbliche Auffassung sich sträubt, so dort unser Verstand. Ibn-Esra, der so gern gegen die Ansichten des Saadia polemisirt und dennoch so häufig, ohne den Namen Saadia’s dabei zu nennen, dessen Ideen sich aneignet, bewegt sich auch hier