Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Blick auf die Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829346-2829349-2862596--10393-2862633- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
52 Ein Blick auf die Juden in Galizien,' auf der es jetzt steht, zumeist nur durch staatliche Sorge und Erziehung gekommen ist) solche Einwürfe gelten lassen, in Deutschland, wo man das Werk der Volkserziehung schon in die Hände hervorragender Volksmänner getrost legen kann. Wo dies aber nicht angeht, wo der Boden für eine Selbsterziehung noch gar nicht urbar gemacht worden, wo überhaupt jeder Boden, jede Grundlage für eine solche fehlt, da muss der Staat kräftig ein greifen, mit starkem Arm und starkem Willen. — Werfen wir doch nur einen vergleichenden Blick auf das Herzogthum Posen! Wie sah es wohl dort aus, als Preussen dasselbe im Jahre 1815 in Besitz nahm? Nicht besonders ergötzlich! Die jüdische Bevölkerung war dazumal geistig und materiell in einem höchst trostlosen Zustande. Alle Erwerbsquellen, alle Gebiete waren ihr verschlossen, der unstäte Handel, ״Schacher" genannt, machte ihren einzigen Erwerbszweig aus. Da wandte die Regierung in imverhältnissmässig hohem Grade ihre Sorgfalt den jüdischen Schulen zu, wachte mit besonderer Strenge über dieselben. Die hemmenden Barrieren wurden, so weit es thunlich war, entfernt. Der niedere Bildungsgrad gab nicht, wie anderswo, den naheliegenden Vorwand zu noch grösserer Ausschliessung und Zurück- Setzung, sondern gab im Gegentheil zu der Mühe Veranlassung, das Mangelnde zu ersetzen, die Niedrigstehenden zu einer hohem Bildungsstufe zu erheben. Dass die Juden dort, als sie fühlten, dass man sich für sie interessire, das Dargebotene freudig und willig ann ahmen und verwertheten, die sich ihnen zugewandte Sorgfalt in hohem Masse belohnten, dass sie nützliche Mitglieder der Ge- Seilschaft, treue Bürger des Staates geworden — es hedarf nicht unserer Bestätigung; welch' hohe Resultate für ihre Geistes-Entwickelung aus jener Erziehung erzielt wurden — es bedarf nicht unseres Lobes. Wir wollen hier nicht entscheiden, ob Klugheit oder Gerechtigkeit das leitende Motiv für jene staatliche Behandlung war. Wir wollen auch nicht an das Gerechtigkeitsgefühl der österreichischen Regierung appelliren, solche Appellationen pflegen von nur geringem Erfolge zu sein, aber an den