Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Blick auf die Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 13)
- Language
- German
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Ein Blick auf die Juden in Galizien. - 5B Verstand des Staates, an die diplomatische Klugheit, die auf den eigenen Vortheil bedacht ist, an das Interesse des Staates selbst möchten wir unsern Appell richten. Die, sei es auch nur formell, herrschende Nationalität in Oesterreich ist eine deutsche. Mag man nun die particularistischen Bestrebungen der verschiedenen andern Völkerschaften und Nationalitäten in jenem Staate noch so sehr begünstigen, das deutsche Wesen wird doch •immer dominiren, oder doch dominiren wollen, so lange nicht der Schwerpunkt des Staates in aller Form nach einem ausser deutschen Lande verlegt wird. Dieses deutsche annoch herrschende Wesen hat aber seinen natürlichen Gegnerin dem slavischen, in Galizien vorherrschendenFlemente, das ihm zu Zeiten sehr unbequem wird, ihm schon oft viel zu schaffen gemacht hat. Diesem Gegner die Schroffheit des Auftretens allmälig zu benehmen, ihn im Innern stufenweise und fast unmerklich zu entwaffnen, ihn für sich zu gewinnen, ihn, um die Sache endlich beim rechten Namen zu nennen, zu germanisiren, wonach doch der Staat bis jetzt, wenn auch vergeblich, gestrebt (und wir bemerken nochmals, dass wir uns von dem Stand־ punkte der politischen Moral für den Augenblick entfernt und auf den der politischen Klugheit uns gestellt haben) — dies Alles zu erreichen vermag der Staat am besten und schnellsten nur durch die in Galizien so zahlreich vertretene jüdische Bevölkerung. In dem Juden liegt das stärkste Gegengewicht gegen den Polen. Dieses noch als Keim schlummernde einflussstarke Gewicht zur vollen Entwickelung zu bringen, es sorgfältig zu pflegen und auszubilden und für den eigenen Vortheil auszubeuten, liegt in der Hand des Staates. Wir hoffen, von keiner Seite Widerspruch zu erfahren, wenn wir behaupten, dass der bildende, ja germanisirende Einfluss der Juden im Herzogthume auf die polnische Bevölkerung daselbst von ungemein grosser noch nicht genügend erkannter Bedeutung war und ist, und dass es nur die Schuld der Regie־ rung sein werde, wenn dieser Einfluss nicht wachsen, mit der Zeit nicht noch bedeutender werden sollte. (Forts, folgt.)