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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 2 · p. Seite 48

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 2
Article
Ein Blick auf die Juden in Galizien
Date
1867-01-01
Page
Seite 48 (sequence 8)
Language
German
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Ein ־ "Blick׳1*־ auf die Jui3en; in Galizien. r neuen guten Laune in einem wunderbar hohen Grade, und da erstehen lustige Ghetto-Geschichten, poetische Gebilde, liebliche Gestalten, wie Vögele der Maggid ui/d ähnliche idyllische Ghetto-Figuren. Aus der tragischen Wahrheit wird humoristische Dichtung. Im sichern Hafen denkt man ruhig und gern an die Stürme. Da wird frdilich Einem jene Anekdote von der weichherzigen Edeldame in’s Gedächtniss gerufen, die an einem strengen Wintertage von der empfindlichen Kälte so mild und mitleidig für die frierenden Armen gestimmt wird, dass sie der sie begleitenden Dienerin den Entschluss mittheilt, zu Hause durch einen Beitrag das Loos dieser Armen zu mildern, die aber, im warmen behaglichen Zimmer, auf weichem Polster sitzend, daran erinnert, mit voller Naivität entgegnet: Es ist ja jetzt nichd mehr kalt. Freilich in ihrer Behaglichkeit ist sie gar selig und findet die Weit so schön. Wer kann wohl bei so erquicklicher Wärme frieren? In einer ähnlichen rosigen Stimmung befinden sich die aus dem galizischen Elend glücklich Entronnenen. Aber so schön und vielleicht herzerhebend die Dichtun-g auch ist, so reizlos und so herzzerbrechend ist die Wahrheit. Auch ich könnte Euch den Zempelburger zeigen, aber wie er leibt und lebt, der, wenn er es so weit gebracht, Kotzebue’s Verzweiflung zu lesen, schon wirklich von der Verzweiflung tief ergriffen ist. *Ich müsste Euch da führen in ein einsames, kaltes, kahles und wüstes Zimmer, wo der Arme über ein Buch gebeugt sitzt und ״studirt". Scheu, mit zaghaftem Bicke späht er umher, dass ihn Niemand bei diesem Wagniss ertappe; er fürchtet, er hat sich hier hinein geflüchtet, hat sich versteckt — weil er von der Frucht der Erkenntniss gekostet. So hat er mit sich und in sich allein Alles durchzukämpfen; er darf die innere Gährung nicht verrathen, nicht laut werden lassen. Könnte er sich so ganz mittheilen, wie es in ihm ist, könnte und dürfte er Alles, was in ihm aufblitzt und aufleuchtet, zur Erscheinung bringen, könnte er und dürfte er die in ihm aufsteigenden Gedanken zu Fleisch werden lassen, sie wären dann mittheilbare, neutrale und ungefährliche Gedanken. Aber die

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