Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Blick auf die Juden in Galizien
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 9)
- Language
- German
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Ein'Blick aüfdieJudeniri 13־alizien. 49 Mittheilung derselben ist mit Gefahr verbanden, so sind sie denn gefährlich, und sie werden es auch, und er — ״ein Kerkermeister der Gedanken", die sich scharf | und ätzend und zweifelvoll immer tiefer in die Seele eingraben, in das Herz, das sie wund und blutig machen und da oft gar viel Unheil anrichten. Das ist Wahrheit und sieht doch fast wie eine Faustdichtung aus. Ich könnte Euch auch die ״Vögele" in ihrer wahren Gestalt zeigen. Jung und. durch ihre Vergangenheit wohl zu den schönsten Ansprüchen berechtigt, lastet jetzt das Bedürfniss eines ganzen Hauses auf ihrem Herzen. Tag aus Tag ein ausser dem Hause liegt ihr harte Beschäftigung ob. Daheim aber sitzt der Mann — das Gegenbild des oben Geschilderten, die heilige, von jedem weitliehen Gedanken unberührte Einfalt. Wollt Ihr diesen beneiden oder belächeln? Wohl sitzen rings um ihn her ״die Kinder, wie Sprösslinge des Oelbaumes", aber ״der Hände Arbeit" kann er nicht gemessen, weil ihm jeglicheNahrungsquelle fehlt, weil er kein existenzbegründendes Gewerbe gelernt. Und so fehlt dem Hause, den Kindern die Hand und das Herz, die männliche Festigkeit und die weibliche Milde, der Ernährer und die Erzieherin. Das ist Wahr heit und sieht fast wie ein Schauerroman aus. — Doch solche Erscheinungen sind nur Glieder einer langen Kette von Ursache und Wirkung. Weniger mit den Thatsachen, als mit der Quelle, aus der sie geflossen, weniger mit den Wirkungen, als mit den Ursachen möchten wir uns hier beschäftigen, und darum haben wir uns im Eingänge dieser Betrachtung einen kleinen Excurs in das politische Gebiet gestattet, weil sich auf diesem Gebiete die Quellen am reichlichsten ergiessen, aus denen jene betrübenden Erscheinungen und Thatsachen entspringen und weil wir durch die Erkenntniss dieser Quellen auch die Erkenntniss der eigenthümlichen Zustände der Juden in Galizien mit Leichtigkeit erzielen werden. Die Juden in Galizien stehen einer Bevölkerung gegenüber, von der sie, trotz manchen scheinbaren Berührungspunkten, dem Hauptcharakter nach streng zu unterscheiden sind. Wer da iri deutschen Landen, wo eine freilich auf