Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1867-01-01 · Heft 2 · p. Seite 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
16 (1867)
Issue
Heft 2
Article
Ein Blick auf die Juden in Galizien
Date
1867-01-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829346-2829349-2862596--10387-2862627
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

•au Ein BJick;aüf-die? 'Jndon in Galizien. */ j* Rocke guckt die Eitelkeit; heiwor. Es ist eine Art philosophischer Cynismus, die ihn meinen lässt, dass so Grosses und Hohes, wie es in ihm ist? sieh nicht veräusserlichen dürfe § ja sich gar nicht zur Erscheinung bringen lasse. So Alles, wie es ihm um den Sinn ist, lasse sich ja doch nicht ausdrüeken. Zudem weiss er und fühlt er wohl, dass er Euch an der Kunst des äussern, manierlichen Auftretens, an Tournüre nicht gewachsen ist. Aber darum hält er sich bei Leibe nicht für geringer. Dieses Aeussere ist ja nur etwas Aeusserliches, eine Lappalie, ein Nebending, ein so Kleinliches, dass sich nur ein so kleiner Geist, wie der eines Civiiisirten, eines ״Deutschen", etwas darauf zu gute fchun kann. Er steht da vor Euch geduckt und gebeugt, aber beobachtet ihn nur genau, wenn er sich von Euch wegwendet, und Ihr werdet jenes der Ueberlegenheit eigene, verachtende Lächeln über seinen Lippen schweben sehen. Und dieses gedrückte Aussehen, dieses demtithige, lautlose Auftreten-» es wird ihm durch seine sociale Stellung leicht gemacht, er bleibt in steter Uebung, denn daheim wird es von ihm verlangt, daheim da duldet der polnische Edelmann kein aufrechtes, selbstbewusstes Auftreten, nur mit dem gedrückten, überbescheidenen, sich demüthigenden Juden lässt er sich in geschäftliche Verbindung ein. Und die Erziehung erst — ach, sie weiss von keiner Disciplin des Geistes und von keiner Disciplin des Körpers — daraus entsteht ein stolzer Geist und ein gebeugter Körper, ein bis zur Starrheit stolzes Innere und ein armes und zerknirschtes Aeussere, die abschreckendste Disharmonie zwisehen Innerem und Aeussere!», zwischen Geistund Körper, der hervorstechendste Zug, das eigentliche Charakteristikon in dem Wesen der polnischen Judenheit. Darum darf Derjenige, der ihr Wesen ergründen, sie richtig schätzen lernen will, nicht nach dem Eindrücke, den das Aeussere auf ihn macht, sein Urtheil bilden, er muss tiefer hineinblicken, und er wird Schöneres und Besseres finden. Wahrlich das Studium dieser Naturen ist ein lohnendes und lehrreiches. Es gäbe Jedem viel zu denken, viel zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.