Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 12
- Article
- [Rezension] / R.
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 471 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Rezensionen und’ Anzeigend 471 der Liebe Gottes gipfelt. Chasdäi hebt die ׳ Freiheit des menschlichen Willens im gewöhnlichen Wortverstande auf* und findet Lohn und Strafe in der Seelenbeschaffenheit,. von welcher unsere Handlungen begleitet werden, und betrachtet es als höchstes Ziel und höchstes Glück des Menschen: Gott zu lieben. Ebenso Spinoza. Cbasdai endlich deutet an, dass die Materie mit Nothwendigkeit aus Gott, als der alleinigen Ursache alles Seins, hervorgehen müsse, dass die Schöpfung der Welt, welche mit der Erhaltung derselben gleichbedeutend sei, aus dem Wesen Gottes, aus seiner Liebe mit Nothwendigkeit folge, und dass sie darum ewig wie Gott selbst sein müsse. Dieses körperliche Moment in Gott, sowie diese Auffassung der göttlichen Freiheit, sind bekanntlich charakteristisch für das System der Spinoza. Diese Analogieen sind so zahlreich, dass, wenn auch bei einzelnen Sätzen zugegeben werden muss, sie ergäben sich dem Spinoza aus weit anderen Prämissen, als denen des Ohasdai, dennoch eine Geistesverwandtschaft zwischen diesen beiden Denkern nicht weggeleugnet werden kann. Dass philosophische Theorieen von solcher Tragweite niemals populär werden konnten, ist von vornherein klar. Ja nach dem ausdrückliehen Wunsche Ohasdai’s, sollten sie gar nicht populär werden. Trotzdem hat Chasdai, wenn auch mittelbar, grossen Einfluss auf die jüdische Denkweise ausgeübt. Denn, merkwürdig genug, hatte dieser Mann mit dem gewaltigen, tiefen Geiste und der schwerfälligen, fast unbeholfenen Ausdrucks weise einen Schüler, Joseph Albo nämlich, der als Kanzelredner sich eine leichte und gefällige Art des Ausdrucks angeeignet hatte, der aber unfruchtbar ist an selbstständigen philosophischen Ideenj auch die Ideen anderer Philosophen, besonders die seines Lebrers Crescas’, abplattet und verflacht. Das Verhältnis8 ChasdaFs zu Albo erinnert lebhaft, trotz der Verschiedenheit der Zeiten, an das Verhältniss Leibnitz’s zu Wollf. Aber der Vergleich fällt nicht zu Gunsten Albo’s aus. Wenn Wollf getadelt wird, dass die Leibnitz’sche Philosophie in seiner Darstellung mehr einem Herbarium denn einem Garten gleiche, dass er ihm alle Frische und alle Tiefe raube, so trifft Albo der härtere Vorwurf, dass der Kampf Chasdafs gegen die maimonidisch - aristotelische Weltanschauung bei ihm zu einem Kampfe gegen die maimoni* dis che Dogmatik zusammenschrumpft. D er Grundgedanke des Lu׳