Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 12
- Article
- [Rezension] / R.
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 469 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m Wissen nichts Angenelii^es. Vieles von dem, was er gegen Aristoteles vorbringt, ist durch die Vermittelung jüdischer Oelehrten in die Kreise christlicher Philosophen gedrungen; so existirt ein Werk des Johann Franz Pico: examen doctrinae vanitatis gentium, in welchem die Einwände Chasdai’s gegen die aristotelische Lehre vom Raum, von der Zeit, von der Lewegung u. 8. w. fast wörtlich citirt werden. * Wahrscheinlich hat dieser die Kenntniss des Or Adonai im Hause seines Oheims, des berühmten Johannes Pico, gewonnen, da mit diesem jüdisehe Gelehrte von gediegener Bildung, wie Elia del Medigo (Grätz, Geschichte der Juden B. VIII., CS. 253), Leon Medigo (ibid. B. IX., 8. 7), in wissenschaftlichem Verkehr gestanden haben. Aber wenn auch von historischem 8tandpunkt aus Chasdai’s kühnes Ankämpfen gegen die Aristoteliten sein grosstes Verdienst ist, wenn auch die Tendenz seines Werkes vor Allem darauf gerichtet ist, die Autorität des Mannes zu stürzen, der ״die Augen Israels geblendet hat", so hat er es dennoch bei dieser rein destructiven Thätigkeit nicht bewenden lassen. Was Chasdai bei der Besprechung der Ansicht des ^Maimonides: man könne Gott nur negative Eigenschaften zuschreiben, rügt, dass negative Prädicate auch stets einen positiven Inhalt haben, das gilt auch von den negativen Resultaten der Chasdai’schen Kritik. Indem er die Ansichten seiner Zeit über die Endlichkeit der Welt, über Gott, über Vollkommenheit, über menschliche Willensfreiheit, über den Zweck der Schöpfung u. 8. w. bekämpft, entwickelt er zugleich neue Ansichten über diese wichtigen Probleme, welche an sich schon höchst beachtenswerth sind, für die Geschichte der Philosophie aber ein ganz besonderes Interesse dadurch gewinnen, dass sie mit der Weltanschauung des Spinoza fast vollständig überstimmen, gerade die Sätze des Spinoza, welche die Quintessenz und das Eigenthümliche seines Systems ausmachen, haben eine überraschende Aehnlichkeit mit den Resultaten des Or Adonai; und diese Gebereinstimmung berechtigt wohl zu dem Schlüsse, welchen auch Or. Joel zieht, dass nämlich Spinoza dem Chasdai mannigfache Anregung verdankt. Mit dieser Behauptung will der Verfasser keineswegs den Ansprüchen des Spinoza auf Originalität entgegentreten. Denn die Originalität und Bedeutung eines Philosophen besteht nicht darin, dass er einen neuen tief-