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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 12 · p. Seite 468

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 12
Article
[Rezension] / R.
Date
1866-01-01
Page
Seite 468 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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vernachlässigten Denker :endlich eine seiner würdige Darstellung zu Tlieil geworden ist. Herr Dr. Joel behandelt zuerst das Verhältnis8 ChasdaiV zu dem Aristotelismus seiner Zeit. Maimonides hatte das unnatürliehe Bündniss zwischen Judenthum und Aristoteles geschlossen und alle .Fülle seines Geistes, Äle Schärfe seiner Dialektik daran gewandt, das Unnatürliche, das Unmögliche dieser Verhindung vergessen zu machen. Nichtsdestoweniger hat er gar oft die Selbstständigkeit jüdischer Denkweise dem Aristoteles gegenüber geltend gemacht. Seine Schüler, welche seine Vorzöge nicht besassen und ihn in seinen Fehlern überboten, waren so weit gegangen , dem Aristoteles ebenso unbestreitbare Autorität zuzuschreiben, wie der Bibel selbst. Wenn wir heute die Verschiedenartigkeit der jüdischen und der aristotelischen Weltanschauung auf den ersten Augenblick einsehen, so ist es wohl natürlich, dass ein dunkles Gefühl dieses Unterschiedes auch damals in den Menschen lebte. Die philosophisch gehildeten Rabbinen — das merkt inan ihren Schriften deutlich an — litten schwer unter dem Joche, welches sie sich selbst aufgelegt,* durch den neuen Glauben, welchen sie selbst dem alten hinzugefügt hatten. Zwar fehlte es dem Aristoteles nicht an Gegnern, aber diese eiferten gegen ihn, ohne ihn zu kennen. Was Wunder, dass sie keinen Anklang fanden, da Alle, welche ihn kannten, ihn verehrten. In dieser Zeit verfasste Chasdai den Ör Adonai; er sah ein, dass es nicht genug sei, den Aristoteles zu schelten, sondern dass er widerlegt werden müsse. Um der Orthodoxie im Judenthum den Weg zu ebnen, musste vor Allem eine andere Art von Orthodoxie aus dem Wege geräumt werden, das war ״der allein seligmachende Glaube an die;Unfehlbarkeit des Aristoteles.“ Die ganze Weltanschauung der! Äristoteliker seiner Zeit unterwirft er zu dem Zwecke einer eingehenden Kritik. Besonders tadelt er, dass Aristoteles die Endlichkeit der Welt lehre, und so von der Annahme, dass ein Regress der Ursachen inVUnendliche unmöglich sei, ausgehend, auf das Dasein eines primus motor, also auf die Existenz Gottes schliesse; ferner widerlegt er die Ansicht desselben, dass Gottes Seligkeit im Erkennen seiner selbst bestehe, denn Wissen habe nur dann einen Werth, sobald ein Nichtwissen vorangehe, wo Nichtwissen niemals stattgefunden hat, da habe das

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