Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 12
- Article
- [Rezension] / R.
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 467 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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machen könnte, da seihe gegen, den Anstotelismus vorgebräch• ten Argumente an wuchtiger Beweiskraft denen der Italiener mindestens gleich kommen, und er zudem in einer Zeit gelebt hat, in welcher die Sätze des Philosophen, wie Aristoteles schlechthin im Mittelalter genannt wurde, für ebenso unantastbar und unwiderleglich galten, als die Bibel selbst. Wir meinen Don Chasdai Crescas, der in der zweiten Hälfte des vierzehnten und in den ersten Jahrzehnten des fünfzehnten Jahrhunderts gelebt hat und seine philosophischen Meinungen in dem Werke Or Adonai vorgetragen hat. Chasdai, ein Vorkämpfer des Glaur bens gegen die Philosophie seiner Zeit, ist unstreitig einer der scharfsinnigsten und was mehr sagen will, einer der kühnsten Denker des Mittelalters. Zudem stand er bei seinen Zeitgenossen in hoher Achtung wegen seines talmudischen Wissens und seiner ausserordentlichen Frömmigkeit; ja die Nach weit hat ihm sogar den Beinamen Hachassid (der Fromme) gegeben. Trotzdem ist sein philosophisches Werk selbst in den Jahrhunderten,,in welchen die Philosophie noch ernste Pflege bei den Juden fand, nicht so, wie es verdient hätte, gewürdigt und beachtet worden. Zum Theil wohl lag dies in dem schwerfälligen Stil, welcher das /Verständniss seiner Ansichten nicht unwesentlich erschwert; noch mehr aber schadete ihm der Umstand, dass er, als ein Gegner der Philosophie, den philosophisch gebildeten, Rabbinen keine persona grata war, und hinwiederum als ein Mann, der die Phi- 19sophie auf ihrem eigenen Grund und Boden mit philosophisehen Argumenten bekämpft, von den Orthodoxen, welche das Studium derselben verpönten und deshalb von dieser Wissenschaft wenig wussten, fast gar nicht verstanden wurde. Aber nicht nur in der alten, auch in der neuern Zeit litt er unter der Ungunst des Schicksals. In einer Zeit, in der so manchem Buche ganz unverdient das Glück zu Theil wurde, aus dem Staub der Bibliotheken in die Oeifentlichkeit getragen zu werden, blieb Chasdai fast der Vergessenheit preisgegeben. Kein jüdischer Gelehrter hielt es der Mühe werth, den Or Adonai zu erklären oder Chasdai'8 philosophische Anschauungen im Zusammenhang vorzutragen. Um so freudiger begrüssen wir das Werk, welches Herr Dr. Joel unter dem Titel: ״Don Chasdai Crescas' religionsphilisophische Lehren in ihrem geschichtlichen ^Einflüsse“ jüngst veröffentlicht hat und in welchem dem lange