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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 12 · p. Seite 464

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 12
Article
Beiträge zur hebräischen Sprachforschung und biblischen Exegese
Date
1866-01-01
Page
Seite 464 (sequence 10)
Language
German
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mit dem Entschwinden der keuschen Volkssitte auch dievZüchtigkeit und Wohlanständigkeit der Sprache.und des Ausdrucks verloren gehen, und dass in dem Grade, wie das sittliche Bewusstsein der Gesellschaft getrübt ist, auch die Grundsätze über Zucht und Mcu#l mit kecker, cynischer Frivolität ausgesprochen werden, so hat der Prophet durch diese kurze, aus der Umgangssprache herausgegriffene Phrase den tiefen SittenverFall seiner Zeit schärfer und lebendiger gezeichnet, als er dies durch die weitläufigste reflectirende Darstellung erzielt hätte. Die sittliehe Verworfenheit, welche aus dieser Redensart herausspricht, versetzt uns in Lebenskreise, wie sie uns Terenz in seinem ״Eunuchus" und ״Adelphi" vorführt, und bildet daher den Oulminationspunkt der hier geschilderten sittlichen Entartung, so dass der Prophet, von tiefer Entrüstung überwältigt, in die Worte ausbrechen musste: אלה עשן באפי לגו׳- Hat nun die hebräische Sprache in dem Verbum קדש eine Form gefunden zur Bezeichnung der widernatürlichen geschlechtlichen Vermischung unter den Menschen, so brauchte sie nur einen Schritt weiter zu gehen, um damit jede geschlechfcliehe Vermischung, also auch das Erzeugen von Bastardpflanzen durch' Uebertragung des fremden Blüthenstaubes auf die Narbe eines andern Gewächses, oder durch irgend eine andere Vorkehrung, zu bezeichnen. Jede Störung der Naturthätigkeit und Leitung ihrer Kraft in fremde Bahnen wird von dem Mosaismus als ein gewaltsamer Eingriff in das organische Naturgesetz verpönt, welches der allweise Weltenmeister als ein ewiges und unwandelbares festgestellt. Das Verbot der Kreuzung von Thieren und Pflanzen wird in der Schrift (Lev. 19,19) mit den Worten eingeleitet: ״ את הקלתי תשמרוMeine Gesetze sollt ihr deobachten", womit auf die ewigen Naturgesetze hingewiesen wird, die von dem Menschen arg verletzt werden, wenn er den lebenzeugenden Naturtrieb zur unnatürlichen Vermischung missbraucht (vgl. Rainban z. St.). Dass dieses Verbot eine weise Vorkehrungsmassregel ist, um das unnatürliche Laster in allen seinen Erscheinungen zu verhindern, hat bereits Josephus riehtig gesehen, der es geradezu aus spricht, dass die Verletzung der natürlichen Schranken in minder bedeutsamen Dingen sehr leicht eine Entartung und Entehrung des Menschengeschlechts

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