Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Beiträge zur hebräischen Sprachforschung und biblischen Exegese
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 463 (sequence 9)
- Language
- German
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.und biblischen Exegese. 463 der alten Hebräer sie auch formell auseinander gehalten - und zwar durch die verschiedenen Formen von קדש und י קדש Der Umstand aberdass der Sprachgenius gerade hier die begriffliehe Verschiedenheit auch formell bezeichnet, während er kein Bedenken trägt, die Form בד!ן auch zur Bezeichnung des heidnischen Priesters zu gebrauchen, dass er ferner von קדש das Femininum uttHp im Singular und Plural, von jpfe hingegen keines bildet, dass er endlich mit der Form קדשה schon in der frühesten Zeit eine feile Dirne bezeichnet (Genes. 38, 21), deutet darauf hin, dass der 6 קדשin verächtliches Werkzeug der Unzucht gewesen, wesshalb der Sprachgeist verhindern musste, dass ihm nicht das Prädicat יקדש welches ja auch vom Hochsten und Heiligsten gebraucht wird, beigelegt werde. Der gemeinsame Urbegriff der Widmung und Weihe, welcher dem 7.קדש wie dem קדש. zu Orunde liegt, scheint der Sprache keine schärfere Scheidung der Form verstattet zu haben, obwohl sie berechtigt gewesen wäre, den קדש wegen seiner verwerflichen Bestimmung geradezu 2 טמאu nennen. So gern nun es auch der Sprachgeist vermieden hätte, konnte es dennoch nicht ausbleiben, dass der mit den erwähnten Nominalformen correspondirende Verbalstamm eine entgegengesetzte Bedeutung annahm. Es bildete sich demgemäss die Form קדש heilig sein (von קדש) und קדש (auch im Perfectum, wie קרב u. A.) schänden, praedicare, wobei der Sprachgebrauch jeder Verwechselung dadurch vorbeugte, dass er die Kai-Form in der Bedeutung heiligen niemals, in der Bedeutung schänden stets mit dem Objects accus ativ construirte, wie hier in dem Worte קדשתיך, und übersetzen wir unsere Stelle also: ,,Die da sprechen: ״bleibe für dich, komme mir ja nicht zu nahe, denn ich schände dich.“ Das Perfectum steht hier als Ausdruck des unbedingten Willens des Redenden, der fest entschlossen ist, die That zu vollziehen und dieselbe so gut als vollendet betrachtet. Der Prophet will in diesen Worten die masslose Geilheit der Entarteten und ihren Hang zur unnatürlichen Zucht kurz und bündig geschildert haben, was ihm auch vollkommen gelungen ist. Und wenn es eine historische Thatsache ist, dass