Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Beiträge zur hebräischen Sprachforschung und biblischen Exegese
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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Beiträge zur hebräischen Sprachforschung האשה המנאפת תחת אישה תקח את זרים ,,das ehebrecherische Weib! Unter ihrem Gatten nimmt sie sich fremde!“ Nach- _ dem sich der Redner in diesem Ausrufe Luft gemacht hatte, nimmt er den Gedanken des Verses 31h wieder auf, um ihn stärker aufzutragen und ihm ein möglichst scharfes Colorit zu geben, wiewohl derselbe schon in seiner früheren Fassung schneidend und geisselnd genug ist. Die Worte .... האשה heziehen sich demnach nicht auf die Dirne, sondern auf Jerusalem, das factisch eine Ehebrecherin ist, da es seinen Bund mit Gott ] verletzt und gebrochen hat. Haben wir nun in dem Vorhergehenden gesehen, wie man dem Stammworte קלס unnötigerweise eine entgegengesetzte Bedeutung untergeschoben, so können wir an dem Stamme קדש. die umgekehrte Erscheinung wahrnehmen, dass seine entgegengesetzte Bedeutung bis nun unerkannt geblieben ist. Zu dieser Annahme berechtigen uns zwei Schriftstellen, die noch keine genügende Erklärung gefunden. Die Eine befindet sich Jesaja c. 65, 3 — 5 und lautet in ihrem Zusammenhänge also; (3) העם המכעסים אותי על פני תמיד וכהים בגנות ומקטרים על הלבנים: (4) היושבים בקברים ובנצורים ילינו האבלים בשר ההדר ומרק! פגולים כליהם:(5) האמרים קרב אליך אל תגש בי כי קדשתיך אלה עשן באפי אש יקרת כל היום:• Es wird uns hier ein Bild des tiefsten Sitten Verfalls, der religiösen und moralischen Gesunkenheit der bürgerlichen Gesellschaft entworfen; die überkommene Re״ . ligion und Vätersitte ist aus allen Kreisen des öffentlichen und häuslichen Lebens verdrängt und die Vorschriften und Satzungen, welche der göttliche Gesetzgeber gleichsam als Festungswerk gegen das heranstürmende Heidenthum hingestellt, werden überall übertreten und verletzt; Götzenthum, Zauberei, Todtenbeschwörung, Genuss der unreinen Thiere, Alles, was das inosaische Gesetz zur Förderung der sittlichen Vervollkommnung und Selbstheiligung des jüdischen Volkes verpönt (vergl. Lev. 20, 7j Deuteron. 14, 2 und 18,13), ist überall an der Tagesordnung, und der erschreckende Cynismus, der sich dabei kundgibt, fordert das entfesselte Zorngericht Gottes heraus. Was soll nun nach der Schilderung dieser höchst gravirenden Laster der Sinn; des Verses 5a sein? Man übersetzt gewöhnlich: ״die da spreeben: bleib’ für dich, komme mir nicht nahe, dass ich dich heilig