Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Beiträge zur hebräischen Sprachforschung und biblischen Exegese
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 457 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829345-2862522--10279-2862563- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und hihlischen' Exegese. □לקש*), welches Wort' nach der Meinung des Letztern einem Ab- Schreiber ungeläufig sein mochte, und von demselben mit לקלס vertauscht wurde. Hitzig verschweigt uns zwar die Genesis dieser Emendation, wir vermuthen aber, dass einzig die Version der LXX.: 6vvayov6ct luGdfa^cuoc dem Gedanken Raum geben konnte, dass hier statt לקלס ein Wort gestanden, welches zusammenbringen bedeutet, eine Annahme, die jedoch, wie I wir weiter sehen werden, ganz ungerechtfertigt ist. Hätte der Abschreiber wirklich das Wort לקשס im Originale vor sich gehabt, dann würde er es ebenso treu und gewissenhaft copirt haben, wie unzählige andere fremdklingende Spracheigenheiten in dem Buche Ezechiel. Die Abschreiber der heiligen Literatur waren überhaupt jederzeit von Pietät, ja von einer gewissen heiligen Scheu vor dem Objecte ihrer diesfälligen Beschäftigung erfüllt, und kam es ihnen niemals in den Sinn, sich die Rolle eines Conjecturalkritikers anzumassen. Und wiirden sie dieses gethan haben, wahrlich, es wäre so manche dunkle Bibelstelle, die noch heute eine crux interpretum ist, schon längst wegemendirt worden sein. — Ist denn aber die angeführte Stelle wirklich so verzweifelter Natur, dass man zur Conjectur seine Zuflucht nehmen muss? Nach unserem Dafürhalten ganz und gar nicht, vielmehr ergibt sich der Sinn derselben mit Klarheit und Bestimmtheit, sobald man dem hebräischen Sprachgebrauch die gebührende Aufmerksamkeit zuwendet. Die scharfe Be ohachtung des Sprachgebrauchs erscheint insbesondere dort unerlässlich, wo ein Begriff unter zwei Gesichtspunkte, den der Ursache und den der Wirkung, gestellt werden kann, da der formbildende Sprachgenius gerade hier einen weiten Spielraum hat, und ist es eine nicht seltene Erscheinung, dass der Sprachgeist einen und denselben Begriff nicht nur in verschiedenen Sprachen, sondern auch in einer und derselben, bald von dem einen und bald von dem andern Gesichtspunkte aus auffasst und durch verschiedene Mittel zum Ausdrucke bringt. Und dies ist auch hei dem Stammworte קלס der Fall, welches nichts anderes ist, als eine dialektische Nebenform des chaldäischen כרץ *') Auch hebräisch! F r a u k e 1, Monatsschrift. XV. 12. 35 D. R.