Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Beiträge zur hebräischen Sprachforschung und biblischen Exegese
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 456 (sequence 2)
- Language
- German
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456 , ׳ .Beiträge zur hebräischen Sprachforschung so unpraktisch, als ii־rationell erscheint, versteht sich von selbst. Während jedoch die älteren Grammatiker und Lexicographen sich darauf beschränken, das Vorhandensein dieser Erscheinung einfach zu notificiren, sind neuere Sprachforscher bestrebt, den Grund dieser Spracherscheinung aufzusuchen. Die Einen sind der Ansicht, dass der betreffende Stamm eigentlich nur eine Grundbedeutung habe, die jedoch, je nach der Auffassung des dem Stammworte zu Grunde liegenden Begriffes, im guten oder schlechten Sinne, variirt (Gesenius, hebräisches und chaldäisches Wörterbuch s.v.הסד)• Unterstützt von Analogieen der Schwestersprachen führen Andere diese Erscheinung auf zwei verschiedene Urstärmne mit verschiedener Grundbedeutung zurück, die jedoch schon frühzeitig in einander geflossen sind, so zwar, dass durch ihre formelle Identität die ursprüngliche begriffliche Verschiedenheit nicht alterirt worden ist (Fürst, Handwörterb. u. dems. A.). Bei Verba, die von Nomina abgeleitet sind, wird die entgegengesetzte Bedeutung durch die Annahme erklärt, dass das Verbum die Beschäftigung mit dem durch das Nomen bezeichneten Gegenstand nur allgemein ausdrückt, so dass die Bedeutung je nach der Art dieser Beschäftigung und durch den Sprachgebrauch fixirt wird (Ewald, ausführl, Lehrb. d. hebr. Spr.). Ueberschaut man nun das Gebiet dieser Spracherscheinungen in der biblischen Literatur, so erweisen sich diese ErÖrterangen als unzureichend. Man gewahrt Formbildungen, die in das bezeichnete Gebiet wohl hinein gehören, ohne dafür gehalten zu werden, und wiederum solche, denen man in Folge einer irrigen Auffassung eine gegensätzliche Bedeutung zu vindiciren pflegt. So hat das Stammwort קלס bis nun das Unglück gehabt, zum Träger der Schmach gestempelt zu werden, was es jedoch von Hause aus ganz und gar nicht ist. Daraus entstand nun die grosse Schwierigkeit in der Auffassung der Worte: (לא היית כזונה לקלס אתגן (Ezech. 16, 31), wie schon Hitzig z. St. sehr richtig bemerkt: ״Wenn קלס verschmähen wäre, so würde damit nur erst das Gegentheil des erforderlichen Sinnes gewoa־ nen sein." Und wenn Gesenius (Handwörterb. 8. v.) dennoch übersetzt: ״Du machtest es nicht wie eine Buhlerin, die den Buhlerlohn verspottet, nämlich sprödethuend“, so ist dies ein eben so verzweifeltes Auskunftsmittel, wie Hitzig’s Oonjectur: