Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Einfluss des Judenthums auf die Entstehung und Ausbildung des Islam nach den neuesten Forschungen von Sprenger und Nöldecke
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 450 (sequence 10)
- Language
- German
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450 Oer Einfluss dessTuderrthums auf die Entstehung und- Nur scheint die Eeimtniss der heiligen Schrift nicht sehr verbreitet unter ihnen gewesen zu sein, uncTvon der späteren jüdischen Literatur wussten sie noch weniger. Dennoch standen sie bei den Arabern als ״Schriftbesitzer“0) ln grossem Ansehen, und Muhammed ging in seiner Jugend vorzugsweise mit Juden um. Ihnen verdankt er die Grundelemente seiner neuen Lehre, die Kenntniss der heiligen Schrift und der Legenden. Freilich konnte diese Kenntniss, da sie lediglich eine Frucht des Umganges und mündlicher Erzählungen war, nur eine sehr oberflächliche sein, die Legenden prägten sich seinem Gedächtnisse am leichtesten ein, und daher finden sich auch im Kortin so viele hagadische Stellen. Da Muhammed mit dem Vorsatze auftrat, eine Religion zu gründen, die Juden- und Christenthum vereinigen und auch von den heidnischen Arabern angenommen werden sollte, änderte er manche alte heidnische Sagen um, gab ihnen ein jüdisches Colorit und flocht sie dann in seine Prophetengeschiehfcen ein. Auch die Engellehre, besouders die Bedeutung, die Gabriel im Koran hat, entnahm er dem Judenthum, vermischte dieselbe aber mit alt ־ heidnischen Ansichten» Die Verehrung der Kaaba war in Arabien seit alter Zeit eingeführt, und Muhammed konnte dieselbe nicht abschaffen, ohne bei der grossen Menge Anstoss zu erregen; er nahm sie daher in seine neue Lehre auf, gab ihr aber durch die den Arabern bis dahin völlig unbekannte Annahme von dem abrahamitisehen Ursprünge derselben ein jüdisches Gepräge. Zuerst war Muhammed’s Streben, hauptsächlich darauf gerichtet, die Juden für sich zu gewinnen; es musste ihm in der That auch sehr viel daran gelegen sein, die ״Schriftbesitzer“ zu seinen Anhängern zu zählen, und sein Ansehen wäre sicherlich bedeutend erhöht worden, wenn er mit einem Hinweis auf die ״Bekehrung" der Juden Belege dafür hätte liefern können, dass seine Lehre vollkommner sei, als die bisherigen monotheistischen ■5) uWl >s>l