Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 12 · p. Seite 444

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 12
Article
Der Einfluss des Judenthums auf die Entstehung und Ausbildung des Islam nach den neuesten Forschungen von Sprenger und Nöldecke
Date
1866-01-01
Page
Seite 444 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829332-2829345-2862521--10264-2862550
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

f:(, •;י f**. 'י^ י ” '"•-י .444 Der Einfluss des Judenthums auf die Entstehung'urid - Gegen das Ende des sechsten christlichen Jahrhunderts, berichtet Sprenger, findet man in der Poesie der heidirischen Araber mitunter Spuren einer tiefen Ueberzeugung von der Einheit Gottes und dessen Erhabenheit über alle Wesen. Der Anstoss ging ohne Zweifel von den im Westen der Halbinsel wohnenden Juden und den im Osten und Norden herrschenden christlichen Arabern aus; beide hatten bedeutende Dichter aufzuweisen, lebten in engem Verkehr mit der übrigen Bevölkerung und besessen grossen Einfluss. Das Judenthum, das eine Zeit lang Staatsreligion in Jemen gewesen war, sagte den Arabern mehr zu, als das Christenthum, und die Lehre von dem dreieinigen Gotte hat niemals rechten Anklang bei ihnen gefunden. Doch auch das Judenthum, welches nur für ein Volk berechnet ist, konnte sie nicht ganz befriedigen; man entnahm daher wohl beiden Religionen den Gedanken von der Einheit Gottes und einer sittlichen Welt- Ordnung, zugleich aber entwickelte sich der Glaube an eine Urreligion, welcher Judenthum und Christenthum entsprungen waren und von der sich ein neuer Zweig bilden musste, welchem die Mängel beider Religionen abgingen. Der Islam gibt sich nun auch bekanntlich als aus der Urreligion hervorgegangen aus, und trat deshalb mit dem Ansprüche auf, dass Juden- und Christenthum in ihn aufgehen und ihre Gesondertheiten aufgeben sollten. Der Glaube an einen einzigen Gott, der, wie gesagt, in einzelnen Arabern aufstieg, hatte mehrere religiöse Bewegungen zur Folge, und diese gingen vorzugsweise von den Secten aus, die sich aus den alten Essäern gebildet hatten und deren es mehrere in den nördlichen Theilen Arabiens gab. Ihre vorzüglichsten Ceremonieen bestanden im Fasten, Beten, das sie mit grosser Pünktlichkeit verrichteten, religiösen Waschungen und ascetischem Lebenswandel3); die meisten dieser Ceremonieen sind in den Islam übergegangen. Aus den Essäern und den ersten 3) Vergl. Frankel, Zeitschrift;, Jahrgang 1846, S. 441 ff., ־und Monatsschrift, Jahrgang 1853, S. 30 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.