Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient un der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
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pp;0<i.vj JCJ , nm in Frankreich, Italien, dem Orient 13. d. Nordküste Africa’s. 405 Natürlicherweise kamen wir in unseren Unterredungen auf das zu sprechen, was ich gehört' und gesehen hatte, wir unterhielten uns über den gegenwärtigen Zustand unserer Brüder in den verschiedenen Ländern, die ich bereist hatte, und über die Mittel, die nach meiner Ansicht am besten geeignet wären, diesen grossen Bruchtheil der jüdischen Nation aus der Erniedrigung, in weleher er sich befindet, zu erheben. So verschieden auch der religiöse Standpunkt der gelehrten Herren war, mit denen ich diese Angelegenheit besprach, so zeigten doch alle eiumüthig. innige Theilnahme, und ich ersah zu mei- 8er Freude auch bei dieser Gelegenheit, dass Israel stets zusammenhält wenn es sich um die Ehre und um das Glück seiner Kinder handelt. Als der Frühling 1856 herannahte, traf ich die nöthigen Anstalten, um eine neue Reise zu unternehmen. Im Laufe des Juni verliess ich Paris, hielt mich einige Zeit in Lyon und Turin auf und begab mich sodann nach Vercelli. Ich hatte seit langer Zeit den Herren Professoren Levy und Pontremoli, den Redacteuren des Educatore israelita, versprochen, einen Tag in der Gemeinde zu Vercelli zu verleben, um bei dieser Gelegenheit den dortigen Juden, die an meinen Plänen stets so innigen An theil genommen hatten, die Gefühle meiner Hochachtung und Dankbarkeit zu erken- 11en zu geben. Während des Sabbats, den ich daselbst zubrachte, hatte ich die Freude alle Einrichtungen kennen zu lernen, welche diese nur aus einigen hundert Seelen bestehende Gemeinde getroffen hatte, um die Erziehung ihrer Kinder, die seit mehreren Jahrhunderten von den öffentlichen Bildungsanstalten ausgeschlossen waren, den Anforderungen der Zeit entsprechend zu ermöglichen. Wie Turin hatte Vercelli, von einem reichen Brüderpaare unterstützt und angeregt, Anstalten gegründet, die mit sachgemässer Kenntniss geleitet wurden und die Gemeinde in den Stand setzten, mit Ruhe die besseren Tage zu erwarten, deren Anbruch sich bereits am Horizonte ankünkündigte. Der ehrwürdige Rabbiner, von Vercelli, Raphael Levi, begrüsste und beglückwünschte mich mit herzlichen Worten, und ich drückte ihm gegenüber meine aufrichtigen