Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient un der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829344-2862461--10214-2862480- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
406 Rückblick auf Zustände und Ereignisse der *Juden •־״ Segenswünsche für das Wohl der Gemeinde aus. Ich reiste dann über Mailand nach Padua, besuchte daselbst den nunmehr verstorbenen Professor Luzatto und hatte Gelegenheit, das für das Lombardo-Venetianische Seminar bestimmte palastähnliche Gebäude in Augenschein zu nehmen und zu bewundern. Des Abends ward mir das Vergnügen einer Unterredung mit drei Freunden und Pflegern der jüdischen Literatur zu Theil, den nunmehr sämmtlich verstorbenen Herren Gabriel Trieste, Almanzi und Luzatto, und nachdem mir so Herz und Geist erfrischt waren, setzte ich meine Reise über Venedig und Triest nach Egypten fort, woselbst ich den 2. Juli anlangte. Da ich bei meiner ersten Reise aus Mangel an Zeit Cairo nicht hatte besuchen können, so holte ich jetzt das unfreiwillig Versäumte nach. Der würdige Rabbiner Hassan und sein gelehrter Sohn, der später zum Mitgliede des in Egypten für den israelitischen Cultus eingesetzten Staatsrathes ernannt worden ist, waren beide als Freunde der Wissenschaft und Volksbildung bekannt. Im Besitze einer schönen Bibliothek und mit allen Zweigen der hebräischen Literatur innig vertraut, hatte der Rabbiner für eine sorgfältige Erziehung seines Sohnes und selbst seiner Töchter, von denen einige ziemlich geläufig französisch lesen und sprechen, Sorge getragen. In der Familie dieses Mannes, der in Jerusalem gebgren und erzogen war und vieler Herren Länder bereist hatte, fanden sich europäische Sitten mit orientalischer Gastfreundschaft vereinigt. Nachdem ich einige von europäischen Lehrern geleitete Schulen besichtigt hatte, begab ich mich in das von den Karaiten bewohnte Stadtviertel, besuchte die fast gänzlich verfallene Synagoge und den damaligen Chacham, einen völlig unwissenden Mann. Seit dieser Zeit ist der trübselige Zustand der dortigen Karäergemeincle, vorzüglich durch den Einfluss des gelehrten Herrn Ferkowitz aus Russland, einigermassen besser geworden. Jedenfalls wäre es sehr zu wünschen, dass diese meist nicht zahlreichen Familien wieder in" den Kreis der allgemeinen Synagoge träten, und diese ist, wie ich in Cairo und Jerusalem einzusehen