Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Über den frühzeitigen Gebrauch der indischen Ziffern bei den Juden
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829343-2862397--10186-2862444- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
eine ganz allgemeine gewesen sein, es folgt dies am klarsten aus dem Verdammungsurtheile, das der karäische Parteigänger ben Jerochim über das Studium der ketzerischen Schriften, der Araber und Griechen, über Philosophie und Astronomie ausspricht, wo er besonders die Beschäftigung mit dem Almagest und den Euklid’schen Werken,. die unter Juden grassire, zu verpönen für nöthig findet. (Psalmen-Commentar bei Pinsker, ״ Likk. kadmon. Zuss. S. 133.) Am meisten Bedeutung unter jür dischen Fachmännern jener Zeit hat jedenfalls Sind b. Ali, dem als Hauptmitarbeiter der berühmten astronomischen Tafeln, welche unter der Regierung al-Mamun’s (813—33) gearbeitet wurden, derselbe Ruhm gebührt, den die Geschichte Isaak ihn Sid spendet, bekanntlich dein vorzüglichsten Astronomen unter Alphons X. Gerade aber in die Regierungszeit des gedachten Ohalifen fällt die Blüthezeit arabischer Wissenschaft, und wurde auch damals auf Grund indischer Quellen das erste Werk über Algebra (von Muhammed b. Musa) geschrieben, das durch die Vereinigung der Vortheile der Analyse der Inder und der Beweisführung der Griechen als erste wissenschaftliche Arithmetik zu betrachten ist. Ist es nun nicht fast unzweifelhaft, dass zeitgenössische jüdische Gelehrte mit all' diesen Kenntnissen gut vertraut gewesen, besonders wenn man bedenkt, dass astronomische Studien mit der analytischen Rechenkunst, wie sie die Inder gepflegt und ausgebildet hatten, auf’s engste zusammenhängen, ja erst durch diese recht ermöglicht werden? Wenn wir also auch nicht annehmen dürfen, dass es gerade Juden gewesen, die das Zahlensystem und die Arithmetik der Inder zuerst gekannt und zu den Arabern gebracht haben — obwohl man zum Theil selbst zu dieser Hypothese berechtigt wäre — so dürfen wir andererseits als feststehend annehmen, dass die Juden zu jener Zeit wenigstens, wo im Allgemeinen indische Wissenschaft andern Völkern zugänglich wurde, zur Kenntnis8 derselben gelangten und dieselbe überallhin verbreiteten. Was die Juden in Persien etwa gehört und gelernt hatten, das erfuhren auch bald die Juden in Irak, in Babylonien, Palästina (Tiberias), Nordafrica und Spanien. Wollen wir daher auch nicht behaupten, dass die Priorität in der Bekanntschaft mit der Mathematik der Inder den Juden angehört, und muss man zugeben, dass die wissenschaftliche Verarbieitung mehr Sache der