Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Über den frühzeitigen Gebrauch der indischen Ziffern bei den Juden
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829343-2862397--10182-2862440- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ipf#' -1'?׳ז« schäfte□ als eia Theil der religiös-dogmatischen Studien schon .. seit langer Zeit eifrig gepflegt wurde. Docli wir würden auf halbem Wege stehen bleiben, wollten wir es blos bei Constatirung dieser merkwürdigen Thatsache bewenden lassen, dass in der ersten Hälfte des 10. Jakrh.’s־ lange bevor noch in den Ländern Europa1 s eine Spur zu finden von Bekanntschaft mit den in der Geschichte der mathematischen Wissenschaften epochemachenden Fortschritten der Inder und wo die schwerfällige Recheninethode der mensa Pythagorica noch allgemein im Schwange war, jüdische Gelehrte in Nordafrica und Spanien damals schon die Arithmetik der Inder gekannt und gepflegt haben. Heben wir daher hervor, dass die Juden früh schon mit den wissenschaftlichen Kenntnissen jener Zeit ihrem ganzen Umfange nach wohl vertraut gewesen, zur Zeit des Aufblühens arabischer Cultur, vom 7. Jahrh. angefangen, bedeutenden Antheil an Pflege und Förderung der damaligen Wissenschaften genommen, und Einfluss auf Vermittelung und Verbreitung fremder Wissensmaterien geübt haben. Schon im ersten geonäischen Jahrhundert haben sich Cultur-Verhältnisse Bahn gebrochen, die dem Judenthume auch die weiten Hallen der Profanwissenschaft erschlossen. Als mit dein Ende der talinudischen Zeit (die Sabur'aerepoche, 7. Jahrh. einbezogen) der Ausbau des talinudischen Riesenwerkes als geschlossen angesehen wurde, und besonders seit den Anfängen einer dogmatischen Spaltung im Innern des Judenthuins und mit den von Aussen her ein dringenden Einflüssen des unter dem Scepter des Islam mächtig erwachten arabischen Geistes die engen Schranken des exclusiven Studiums der Religionswissen־ schaft allmälig gefallen waren, zeigte auch der jüdische Geist seine Empfänglichkeit und schlug in neue Fährten der Thätig־ keit über. Andererseits haben auch die ehrenvollen, nur selten gestörten, politischen Verhältnisse der Juden im östlichen Ohalifate eine gewisse Freiheit der Bewegung, einen muthigen Blick nach Aussen, ein Streben in die Ferne erzeugt, lauter Umstände, die die Beschränktheit des einseitigen Studiums vernichten, die Einseitigkeit der Weltanschauung auf heben und dafür jenen Sinn für das Schöne und Wissenswerthe erzeugen mussten, der die Grundbedingung ist für das Studium allgemeiner Wissenschaft. So wie also durch die karäische Spaltung die Bibelbei den Juden. 387